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Neuss
Jazzabend mit zwei herausragenden Duos

Neuss. Filippa Gojo & Sven Decker sowie Inga Lühning und André Nendza bei "Blue in Green". Von Hansgeorg Marzinkowski

Die Jazzreihe "Blue in Green" in der Alten Post ist in der Szene so beliebt, dass der künstlerische Leiter Philipp van Endert immer wieder Probleme hat, den Musikern Termine anzubieten. So gab es jetzt wieder einmal ein Doppelkonzert, das ganz für das Duo reserviert war: Ein Abend - zwei Paare.

Den Anfang machten Filippa Gojo (Gesang) und Sven Decker (Klarinetten, Melodica). Die beiden mehrfach ausgezeichneten Musiker sind seit Jahren in der Kölner Jazzszene vernetzt - jeder für sich. Kennengelernt haben sie sich erst vor einem guten Jahr bei einem Konzert in Passau. Schon auf der Rückfahrt komponierte Sven Decker etliche Titel für das Duo, die nach wenigen Monaten der Zusammenarbeit auch auf CD erschienen. Daraus gab es in der Alten Post etliche Kostproben.

Schon der Opener "Blues for Bud" (Spencer) verrät Reizvolles: Sven Decker spielt meist tiefe Bassklarinette als denkbar größten Kontrast zur hohen Stimme von Filippa Gojo. Temperamentvoll Jazziges wechselt nahtlos in verhaltene, nur die Melodie betonende, Melancholie. Der "Summer Song" erinnert melodisch an die Vorarlberger Heimat der Sängerin, die sich ostinat auf einem Fingerklavier begleitet, während Sven die Melodie auf dem Glockenspiel wiederholt.

In "Elephants Walk" überbieten sich die Vokalistin und der Bassklarinettist geradezu bei wilden Klängen. Die Sängerin gewinnt, weil sie ein Mini-Megaphon einsetzt. Ganz persönlich wird es beim verlorenen "Baumhaus" mit einem Text im heimischen Dialekt. Das Klagelied - "Ich träum von dir, du wilde, schöne Zeit" - hellt auf in einem feinen instrumentalen Zwischenspiel zwischen Bassklarinette und Fingerklavier. "Duke's Sound" hat fast orientalischen Charakter, passend dazu begleitet Filippa sich mit der aus Indien stammenden Shrutibox, die ein wenig nach Harmonium klingt.

Die Zeit ist schnell vorbei, aber es ist ja Doppelkonzert. Die Jazz- und Popsängerin Inga Lühning und der Bassist und Komponist André Nendza - in Neuss schon öfter Gast - gehören zu den profiliertesten Musikern der deutschen Jazzszene. Wenn sie zusammen Jazz spielen, geraten sie auch schon mal auf improvisatorische Abwege. "Wölfe mitten im Mai" von Franz Josef Degenhardt wird völlig neu interpretiert. Leider nutzt nur hier André Nendza neben Bassgitarre die große Bass-Schlitztrommel, auf der mit Klöppeln verschiedene Töne genau zu erzielen sind.

Viele Titel sind aufregend komplex, werden mit Loopern verfremdet und mehrstimmig. Bei "Graceland" wird das Duo ganz schnell zum Quartett. Am überzeugendsten sind aber die Titel, wo die starke pure Stimme vom Kontrabass begleitet wird und wo, wie in "Sunmaker", virtuose Improvisationen von Stimme und Bass hohe Anerkennung beim Publikum finden. Inga Lühning steuert auch eigene Titel bei, wie die lyrisch gefühlvolle Ballade "Deep Water". Pure Melancholie bestimmt "Until We", in dem André Nendza seinem verstorbenen Onkel nachtrauert. Energisch druckvolle Kompositionen aber sind die Vorliebe des Duos "Voice & Bass".

Info Nächster Termin: NeusserJazzSommernacht am 1. September

Quelle: NGZ
 
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