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Neuss
Jazziges Finale des Shakespeare-Festivals im Globe

Neuss: Jazziges Finale des Shakespeare-Festivals im Globe
Pianisten und Sängerin Caroll Vanwelden präsentierte mit ihren Mitspielern "Shakespeares Sonnets 3.0". FOTO: Christoph Krey
Neuss. Die Sängerin, Pianistin und Komponistin Caroll Vanwelden war umjubelter Gast bei "Shakespeare in Jazz".

Das Shakespeare-Festival im Globe Neuss endete am vergangenen Wochenende an zwei ausverkauften Abenden musikalisch und mit glänzendem Erfolg. Zum dritten Mal war die im belgischen Gent geborene und in Heidelberg lebende Sängerin, Pianistin und Komponistin Caroll Vanwelden umjubelter Gast bei "Shakespeare in Jazz". Nach der Begeisterung, die ihr Auftritt 2013 beim Festival in Neuss auslöste, hat sie sich in ihren Kompositionen beinahe ausschließlich auf Shakespeares Sonette eingelassen. Nun war sie mit der Uraufführung ihres bereits dritten Albums "Caroll Vanwelden: Shakespeares Sonnets 3.0" im Globe.

Sie sieht nunmehr die Trilogie als vollendet an. Wiederum hat sie 16 Sonette vertont, dabei sind ihr "die Texte das wichtigste und stehen deshalb im Vordergrund. Meine Musik sehe ich wie um die Texte fließende Farben, die Emotionen verstärken". Die ohnehin zeitlos in schöne Sprache gegossenen Verse Shakespeares erhalten in ihren klassisch jazzigen Vertonungen spannende Aktualität.

Im Sonett 108 lebt die Liebe nach dem Tod weiter. Eine ruhige Einleitung in elegantem Groove erfährt einen großartigen Höhepunkt, "eternal love in love's fresh case", um in einem melancholischen Choral zu enden. Den spielt wie meist auf dem weicheren Flügelhorn der Trompeter Thomas Siffling. Überhaupt gibt Caroll Vanwelden in ihren jüngsten Kompositionen ihren Mitspielern viel Raum für Improvisationen, während die Pianistin den Flügel selten hervorspielt. Den nutzen Bassist Mini Schulz und der Gitarrist Hans van Oost, der nur, aber regelmäßig, in Neuss dabei ist, zu temperamentvollen Exkursionen. Das Sonett 73, in dem Shakespeare über die Vergänglichkeit des Lebens nachdenkt, widmet die Komponistin ihrem verstorbenen Vater. Gleichwohl dürfen in kolossalen und bejubelten Improvisationen Gitarre und Trompete glänzen.

Da blühte auch der zuverlässig verhalten agierende Drummer Jens Düppe auf. Weil es aber vornehmlich um die Texte geht, ist das bestimmende Element die klare, wandelbare und in Höhen und warmen Tiefen angenehme Stimme Caroll Vanweldens.

Im Sonett 127 parodiert sie lasziv die sexuell deftige Lyrik um die geliebte "dark Lady". Auf der neuen CD ist mit dem Sonett 18 das bekannteste aus der insgesamt 154 Sonette umfassenden Lyriksammlung aufgenommen. Dabei geht es um die Unsterblichkeitsidee: "So lange Menschen atmen, Augen sehen, wirst du, wie mein Gesang, nicht untergehen." Wie zutreffend für d diesen ganzen Abend! Ein begeistertes Publikum veranstaltete nach dem Konzert geradezu einen "Run" auf die CD, die vor ihrem offiziellen Erscheinen nun exklusiv beim Shakespeare-Festival zu erhalten war.

(Nima)
 
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