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Heimat in Neuss
Jeder Tag im Hafen ist anders

Heimat in Neuss: Jeder Tag im Hafen ist anders
FOTO: Berns, Lothar (lber)
Neuss. Industrie-Chic am Rande der Innenstadt sowie ein ganz besonderes Naherholungsgebiet kennzeichnen den Neusser Hafen. In ihm lässt sich ein Teil der älteren und jüngeren Stadtgeschichte und Wirtschaft erkunden. Von Alexandra Wallendschus

Emsige Hafenarbeiter, rauchende Silos, an- und abfahrende Lastwagen. Im Neusser Hafen herrscht geschäftiges Treiben. Doch auch, wenn das Hafenbecken I direkt an den östlichen Stadtkern grenzt, so richtig zum innerstädtischen Leben der kleinen Hansestadt gehört der Hafen nicht - ganz anders als bei der großen Hansestadt hoch im Norden. Dabei macht sich der Neusser Hafen: Die Gastronomie hat das maritime Flair längst für sich entdeckt, moderne Bürogebäude sind an der Kreuzung Hammer Landstraße und Batteriestraße entstanden, und im Mai dieses Jahres eröffnete der Uferpark.

Eine erste Brücke zwischen Innenstadt und Hafen ist bereits geschlagen. Von der Rheintorstraße führt seit kurzem eine markante weiße Fußgängerbrücke über die Wasseroberfläche direkt auf das Hafenareal. Nicht nur für die vielen Hafenarbeiter, die am Hauptbahnhof ankommen, ein Zugewinn. Denn das noch namenlose Brückenbauwerk führt direkt zum Uferpark. Das neue innerstädtische Naherholungsgebiet bietet auf dem 2,4 Hektar großen Gelände viele Spiel- und Sitzflächen für große und kleine Besucher. Neben einem eingezäunten Bolzplatz gibt es Spielplätze mit Rutsche, Wasseranlage und einem hölzernen Schiff namens "Explorer" - so wird schon bei den jüngsten Neussern die Neugierde für die Schifffahrt geweckt.

Die Spielplätze kamen bei der Eröffnung des Uferparks gut an. FOTO: woi

Während die Kleinen auf der "Explorer" ihre zukünftige Kapitänsrolle einnehmen, haben die Großen die Vergangenheit genau vor Augen: Gegenüber der neuen Uferanlage mit ihren honigfarbenen Holzgerüsten bröckelt die Fassade der alten Lagerhalle. Gegensätzlicher könnten die Bauzustände auf den beiden Ufern nicht sein. Zerbrochenes Glas, Backstein und Rost. Authentischer Industrie-Chic mitten in Neuss - die Kuppel des Quirinus-Münsters ist vom Uferpark aus gut zu sehen -, aber doch fernab der Hektik.

Nun ist ein jeder Hafen in erster Linie ein Arbeitsplatz. "Der Hafen ist für Neuss ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor und für viele ein Arbeitgeber", sagt Thomas Düttchen, Sprecher der Neuss-Düsseldorfer Häfen. Auf deren Gelände haben rund 300 Unternehmen ihren Sitz. 2003 schlossen sich die benachbarten Häfen zusammen.

Die historischen Speicher der früheren Neusser Lagerhausgesellschaft-AG. FOTO: Ki-

Während einer Fahrt entlang der fünf Neusser Hafenbecken gibt es viel zu entdecken - insbesondere zu den Stoßzeiten. Dann reihen sich die beladenen Lastwagen etliche Meter lang vor dem Containerterminal am Hafenbecken V und warten darauf, rechtzeitig ihre Fracht abladen zu können, die dann per Binnenschiff oder Eisenbahn weiter transportiert wird.

Rund 50 Züge pro Woche rollen heute vom Gelände - häufig Richtung Süden. Die Ziele der meisten Schiffe hingegen sind die Hafenstädte Rotterdam in den Niederlanden und Antwerpen in Belgien. Dort werden die Container aus Neuss auf riesige Frachtschiffe verladen. Um die Szenerie der wartenden Lastwagen zu beobachten, genügt es schon, mit dem Zug zwischen Neuss und Düsseldorf zu pendeln, denn die Bahnstrecke verläuft entlang des Containerterminals an der Tilsiter Straße.

Doch nicht alles im Hafen ist für Außenstehende so gut zu beobachten. Schon gar nicht, wenn es sich zwischen Weihnachten und Neujahr abspielt, wo die Zeit für die Familie reserviert ist. Das ist auch bei Familie Lauter so, allerdings mit einer Besonderheit: Der Treffpunkt der belgischen Binnenschiffer über die Feiertage ist seit Jahren das Hafenbecken V in Neuss. Für das alljährliche Wiedersehen der Familienmitglieder ruhen hier für wenige Tage die Motoren der drei Schiffe. Silvester wird an Bord gefeiert.

"Jeder Tag im Hafen ist anders", sagt Thomas Düttchen. "Hier ist alles in Bewegung und das Hafenflair hautnah erlebbar." Einen Besuch ist der Neusser Hafen also allemal wert.

Quelle: NGZ
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