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Neuss
Joshua, der Erfinder

Neuss: Joshua, der Erfinder
Mit seiner Erfindung hat Joshua (12) jüngst den zweiten Platz beim Wettbewerb "Schüler experimentieren" im Rahmen von "Jugend forscht" belegt. FOTO: Woi
Neuss. Der Zwölfjährige Neusser hat ein besonderes Hobby - er erfindet Dinge, die seinen schwerbehinderten Geschwistern das Leben erleichtern. Seine jüngste Innovation ist ein aufblasbarer Sitzsack für Menschen mit Spastiken. Von Simon Janssen

Bei der Geburtstagsfeier seiner Schwester Christine kam Joshua Richter die zündende Idee. Zu Gast war Ayman, ein Junge mit schweren Spastiken. Das Sitzen auf einem normalen Stuhl ist für Menschen mit so einer Behinderung undenkbar. Sie sind deshalb auf sogenannte Lagerungshilfen angewiesen, die den Körper stützen. Diese erinnern an einen Sitzsack. Bei der Geburtstagsparty nahm Ayman auf der Lagerungshilfe der Familie Richter Platz. Sie besitzt solch eine spezielle Vorrichtung, weil das Ehepaar Sabine und Mario Richter selbst drei schwerbehinderte Kinder hat. "Aymans Mutter kannte so eine Lagerungshilfe gar nicht und fragte uns, ob wir sie ihr mal ausleihen können", erinnert sich Sabine Richter. Normalerweise kann Ayman nämlich nur auf dem Schoß seiner Mutter sitzen. Die Lagerungshilfe macht ihn selbstständiger. Auch Joshuas kleiner Bruder Julian (4) kann seine Erfindung nutzen.

Beim Transport der Sitzhilfe fiel Joshua jedoch ein großes Manko auf: Sie ist groß, unhandlich und darum nur äußerst eingeschränkt mobil. Joshua machte sich Gedanken - und erfand schließlich eine aufblasbare Lagerungshilfe. Ohne Luft und zusammengefaltet ist sie in etwa so groß wie ein Buch und kann problemlos mit in den Urlaub genommen werden. "Die Materialien habe ich mir über das Internet bestellt", sagt der Zwölfjährige, der die Gesamtschule an der Erft besucht. An den vielen verschiedenen Klettverschlüssen können Stützkissen - sogenannte Pelotten - angebracht werden, um der Person individuellen Halt zu geben. Zudem gibt es einen verschiebbaren Beinkeil, der einen festen Sitz gewährleistet und ein Abrutschen verhindert.

Mit seiner Erfindung hat Joshua jüngst den zweiten Platz beim Wettbewerb "Schüler experimentieren" im Rahmen von "Jugend forscht" belegt. Auch am Design-Wettbewerb "Genial" nahm er teil. Zudem wurde Hans-Georg Torkel, Gründer der Bildungsbewegung KIT-Initiativem, auf den Zwölfjährigen aufmerksam und lud ihn nach Nürnberg zur Fachmesse iEna ein, wo Joshua aus dem Stand die Silbermedaille holte.

Am 8. Dezember steht ein Besuch bei 3M auf dem Programm, wo Joshua seine Erfindung vorstellen wird. "Vielleicht möchten sie meine Lagerungshilfe ja produzieren", sagt der Schüler. Aktuell gibt es einen Prototypen, ob er ein zweites Modell anfertigen wird, steht noch nicht fest. "Ich warte erstmal den Besuch bei 3M ab", sagt er. Auch die Mutter von Ayman hofft, dass 3M Interesse an dem Produkt zeigt, damit ihr Sohn in Zukunft auch im Urlaub angenehm sitzen kann.

Die Lagerungshilfe war nicht Joshuas erste Erfindung. So stammt auch eine Spezialhose für Kinder von ihm. Der Clou: Die Hose ist mit Lederfetzen an den Knien und am Hinterteil ausgestattet, so dass der Stoff an diesen Stellen nicht abwetzt. "So muss man nicht immer eine neue Hose kaufen, sondern tauscht lediglich die Fetzen aus, die mit Klettverschluss angebracht werden", erklärt der junge Erfinder. Sein kleiner Bruder brachte ihn auf die Idee, als dieser noch nicht laufen konnte und vom ständigen Rutschen Löcher in den Hosen hatte.

Mama und Papa sind stolz auf ihren Joshua, vor allem weil seine Erfindungen einen sozialen Charakter haben. "Joshua versucht einfach, seinen Geschwistern zu helfen", sagt Sabine Richter.

Quelle: NGZ
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