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Neuss
Junge Syrerin hilft im Lukaskrankenhaus

Neuss: Junge Syrerin hilft im Lukaskrankenhaus
Joudi Qasem - hier mit Sozialdezernent Stefan Hahn - kam vor zwei Jahren aus dem syrischen Aleppo nach Neuss. Inzwischen spricht sie hervorragend Deutsch und engagiert sich künftig als Lotsin im Lukaskrankenhaus. FOTO: L. Berns
Neuss. Joudi Qasem stammt aus dem syrischen Aleppo und flüchtete 2014 mit ihrer Familie nach Neuss. Hier fand sie eine neue Heimat. Im Lukaskrankenhaus bringt sie sich als Lotsin ein - und hilft bei Kommunikationsproblemen mit Flüchtlingen. Von Bärbel Broer

Noch vor 15 Monaten war ihr Leben ganz anders: Da wohnte die heute 18-jährige Joudi Qasem mit ihren Eltern und den beiden Brüdern noch in Aleppo. Jener syrischen Stadt, die seit Ende 2013 systematisch bombardiert wurde. Im Westen herrschten Assads Truppen, im Osten gingen regelmäßig Fassbomben nieder. Seit November 2014 lebt Joudi mit ihrer Familie in Neuss. Sie mussten keine Schleuser bezahlen und lebensbedrohliche Fluchtwege riskieren. Denn Joudis Familie und die ihres Onkels kamen als sogenannte Kontingentflüchtlinge nach NRW.

Wenn Joudi von ihrer Heimatstadt erzählt, erstirbt ihr sonst so strahlendes Lächeln. "Es gab keinen Strom, auch kein Leitungswasser mehr. Trinkwasser mussten wir vom Brunnen holen." Doch auf die Straße zu gehen, war immer gefährlicher geworden. Ihr Vater, der durch den Krieg seinen Job als Anwalt längst verloren hatte, begleitete sie täglich zur Schule. "Das war sehr riskant, weil Assads Truppen durch die Stadt zogen", so Joudi.

Als ihre Tante von dem Aufnahmeprogramm für syrische Flüchtlinge erfuhr, schickte sie ein Formular an die Verwandten. "Mein Vater wollte erst gar nicht nach Deutschland", erinnert sich die 18-Jährige. Aber eine Zukunft in Aleppo gab es nicht. Sieben Monate nach Antragstellung erhielt die Familie ihr Visum, mit dem sie im Oktober 2014 in die Deutsche Botschaft nach Ankara durfte. "Am 17. November landeten wir in Düsseldorf. Wir durften als Gäste kommen", erzählt Joudi.

Kontingent-Flüchtlinge erhielten - im Gegensatz zu Asylsuchenden - sofort eine Aufenthaltserlaubnis und durften auch arbeiten. Doch die Jobaussichten für den Juristen und seine Frau, die Pharmazie studiert und in der Krankenhausapotheke von Aleppo gearbeitet hatte, sehen nicht rosig aus. "Alle lernen weiterhin Deutsch", sagt Joudi, die mit ihrer Familie inzwischen in einer Wohnung lebt.

Sie dagegen spricht fast fließend Deutsch. In den zwei Monaten, die sie mit ihrer Familie zunächst in einer Flüchtlingsunterkunft gelebt hatte, habe sie "richtig Power gegeben, um die Sprache zu lernen". Mittlerweile besucht Joudi die Seiteneinsteigerklasse des Quirinus-Gymnasiums und ist stolz auf ihr Zeugnis. Ein Durchschnitt von 2,1 im ersten Halbjahr der zehnten Klasse.

"Mathe, Bio und Chemie mag ich besonders", erzählt sie. Medizin würde sie später gerne studieren. Dies hatte sie auch Stefan Hahn, Sozialdezernent der Stadt Neuss, wissen lassen. Ihn hatte sie während einer Projektwoche an ihrer Schule kennengelernt. Hahn war beeindruckt, wie engagiert die Schülerin sich an der Diskussion zum Thema Flüchtlinge beteiligt hatte. "Ich beschäftige mich zwar fast täglich mit der Situation der Flüchtlinge, aber eher auf abstrakter Ebene. Der direkte Kontakt ist selten", so Hahn.

Das hat sich inzwischen geändert. Er versteht sich als Mentor der 18-Jährigen und hat Kontakt zu ihrer Familie. Als städtischer Geschäftsführer des Lukaskrankenhauses hat er Joudi einen Praktikumsplatz ermöglicht. "Wir wollen uns ihre sprachlichen Erfahrungen zunutze machen", erklärt Hahn. Denn Joudi spricht Arabisch, Kurdisch und Englisch. Da etliche Flüchtlinge im Krankenhaus behandelt werden und es oft Kommunikationsprobleme gibt, soll sie als Lotsin helfen.

Quelle: NGZ
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