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Neuss
Kaarst kämpft um die Tour

Neuss. Es wird eng: Nur Tage bleiben noch, um die erforderliche Summe für die Bewerbung als Durchfahrtsort zu stemmen. Heute bei "Wiesn total" will Dieter Güsgen werben.

Es wäre eine einmalige Gelegenheit: "Dass Düsseldorf Startort der Tour de France ist, werde ich wohl nicht noch einmal erleben", sagt Dieter Güsgen, "die Möglichkeit, dass die Tourstrecke durch Kaarster Stadtgebiet führt, bekommen wir so schnell nicht wieder." Güsgen, bei der Stadtverwaltung für Stadtmarketing verantwortlich, sieht eine große Chance für Kaarst. "Die Tour de France ist ein Weltereignis, das vom Fernsehen überall hin übertragen wird - da wäre es schön, wenn auch Bilder aus Kaarst gezeigt würden." Darum will Güsgen die "Wiesn total", die Auftaktveranstaltung zum Stadtfest Kaarst total, heute Abend nutzen, um möglichst viele Sponsoren zu motivieren.

Denn wenn sich die Stadt Kaarst als Durchfahrtsort auf der Tour-Etappe am 2. Juli 2017 bewerben will, muss sie der Stadt Düsseldorf als Ausrichter des Grand Départs mindestens 50.000 Euro vertraglich zusichern. On top kommen 7500 Euro für die Beschilderung der Strecke. Angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt hatte der Rat in seiner Juni-Sitzung jedoch entschieden, eine Bewerbung zwar ideell zu unterstützen, diese dürfe den städtischen Etat jedoch nicht belasten. Also muss die erforderliche Summe durch Spenden aufgebracht werden. "Heute Abend werde ich vor dem offiziellen Teil Franz-Josef Kallen und Udo Hempel zu mir auf die Bühne des Albert-Einstein-Forums bitten und mit ihnen über die Bedeutung dieses Sportereignisses sprechen, um Unterstützer zu finden", kündigt Güsgen an.

Zusagen für immerhin 30.000 Euro liegen Franz-Josef Kallen, dem Vorsitzenden des VfR Büttgen, bereits vor. Um die Finanzierung auf sichere Beine zu stellen, möchte der Radsportfan weitere 35.000 Euro abgedeckt wissen. "Für einen Teil der Summe wäre aber noch Zeit, der wäre bis Januar 2017 fällig", berichtet Kallen, der seit Wochen in intensiven Gesprächen mit Kaarster Firmen und Unternehmen ist. Auch er weiß: Die Zeit drängt. Noch eine gute Woche gibt er sich, dann muss die erforderliche Mindestsumme stehen. "Das Organisationsteam in Düsseldorf will die Streckenführung am 10. Oktober bekannt geben, da muss das alles wenigstens 14 Tage im Voraus festgezurrt sein", erklärt er. "Ich bin durchaus guter Dinge, dass wir den fehlenden Betrag noch zusammenbekommen."

Der engagierte VfR-Vorsitzende, der nur zu gern den Tour-Tross am Radsportdorf Büttgen vorbeifahren sähe, hat tatkräftige prominente Hilfe: So habe Nils Schomber, Fünfter bei der Mannschaftsverfolgung bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro, seine Unterstützung zugesagt. Auch die Radsport-Ikonen Günther Schumacher und Udo Hempel setzen sich laut Kallen für eine Kaarster Bewerbung für die Tour ein. "Udo Hempel beschäftigt sich schon mit der Organisation eines Events", erzählt Kallen und weist in diesem Zusammenhang auf etwas hin: "Der Tourtross ist nicht in zehn Minuten durch. Bis Werber und Monteure, Trainerstab, Kommissäre und dann das Fahrerfeld sowie Materialwagen eine Stelle passiert haben, vergehen sicher eineinhalb bis zwei Stunden." Dafür soll an der Strecke eine Zuschauer-Tribüne aufgebaut werden. Und drumherum könnte es ein Rahmenprogramm geben mit Kultur und Sport sowie gastronomischem Angebot. "Durch das Standgeld könnten wir Einnahmen generieren", rechnet sich Kallen aus.

Ein Problem bei der Sponsoren-Suche sieht Dieter Güsgen: "Auch das Stadtfest Kaarst total finanziert sich über Sponsoren. Ich kann nicht immer dieselben Kühe melken und innerhalb von drei Monaten denselben Kreis zweimal ansprechen ", beschreibt er sein Dilemma. Darum will er nun zu allererst gezielt auf jene erfolgreichen Kaarster Unternehmen zugehen, die sich bislang wenig oder gar nicht bei Kaarst total engagieren. "Es wäre zu schade, wenn die Tour auf dem Weg von Düsseldorf nach Mönchengladbach unser Stadtgebiet umfahren würde, was ja ohne Weiteres möglich wäre", betont Güsgen. Kaarst total zugunsten der Tour-Teilnahme für ein Jahr auszusetzen, ist für ihn keine Option. "Dazu hat Kaarst total eine zu lange Tradition, viele Beteiligte hängen daran", betont er.

Doch was, wenn zur erforderlichen Summe nur ein vergleichsweise geringer Betrag fehlt? Würde Bürgermeisterin Nienhaus den Vertrag trotzdem unterschreiben? Ihre Antwort: "Es gibt dazu einen eindeutigen Ratsbeschluss."

SUSANNE NIEMÖHLMANN

Quelle: NGZ
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