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Neuss
Kammerakademie mit ergreifender Musik

Neuss. Das letzte Konzert der Saison zu "Mord und Trauer" spiegelte eine große Skala an Gefühlen.

Zum Saisonfinale der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein (DKN) konnte Orchestermanager Martin Jakubeit mit einer glänzenden Zahl aufwarten: Mit 93 Prozent waren die vorangegangenen Konzerte ausgelastet, ein auch im internationalen Musikbetrieb hervorragender Spitzenwert.

Ausgerechnet das letzte Konzert im Zeughaus mag den guten Prozentsatz leicht geschmälert haben, denn etliche Plätze blieben frei. Vielleicht hat manchen treuen Abonnenten das Konzertthema "Mord und Trauer" abgeschreckt. Chefdirigent Lavard Skou Larsen aber hatte das Thema verinnerlicht, denn der Auftakt der Ouvertüre zu Goethes Schauspiel "Egmont" von Ludwig van Beethoven war an düsterer Anspannung nicht zu überbieten. Mit großem symphonischen Orchester wird der Freiheitskampf der Niederländer lebhaft beschrieben, in dem Egmont seine führende Rolle mit dem Tod bezahlt. Der Tod aber bedeutet Freiheit, und so endet die Ouvertüre mit grandiosem Jubel, von vier sauberen Hörnern fanfarenartig eingeleitet.

Ein literarisches Programm verband auch der französische Komponist Hector Berlioz mit seiner 1829 geschriebenen lyrischen Szene "Der Tod der Kleopatra" für Solostimme und großes Orchester. Geradezu revolutionär im Umgang mit Orchesterfarben schuf er ein radikal neues Glanzstück. In der "Meditation" werden düstere Bläserakkorde von ostinatem Streicherpizzicato kontrastiert, dissonant tonmalerisch der kurze Natternbiss, das allmähliche Erlöschen der Singstimme - eine der ergreifendsten Todesszenen der gesamten dramatischen Musikliteratur. Eine perfekt eingestimmte und hoch konzentriert aufspielende DKN bedurfte einer großen Stimme. Die hatte die Französin Hjördis Thébault (Sopran) in dramatisch aufwühlenden Inszenierungen und dem lyrisch verzweifelten Todeskampf. Sehr viel Applaus eines sichtbar beeindruckten Publikums!

An Trauer gemahnt allenfalls die von Ernst geprägte Einleitung zur "Sinfonie Nr. 1 c-Moll" von Johannes Brahms. Der DKN gelangen im ersten Satz wunderbare Steigerungen, solistische Glanztaten im "Andante sostenuto" mit schön abstufender Oboe (Ralf-Jörn Köster), die Klarinette (Levan Tskhadadze) wiederholte das Thema gleichermaßen einfühlsam, in der Coda übertönt eine Solovioline (Fenella Humphreys) satte Orchesterfarben.

Geradezu entfesselt, besonders in der Pauke (Peter Hartmann), spielte das Orchester das schwungvolle Finale, das nach einem unvermittelten Bläserchoral "con brio" im Jubel endet. Auch für diese große und großartig aufgeführte Sinfonie dankte das Publikum mit langanhaltendem Applaus.

(Nima)
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