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Neuss
Kammermusik zwischen den Stilen in Christ König

Neuss. Für ein Konzert in der Christ König-Kirche am Berliner Platz war das Trio "Contemporaneo" angesagt. Weil aber Benjamin Nachbar (Violine, Viola) kurzfristig erkrankte, sprang das "Tamigu-Trio" ein. Die Protagonisten sind aber nahezu die gleichen Musiker. Lediglich für den erkrankten Benjamin übernahm Vater Michael das Violinspiel. Die "Sonata Didone Abbandonata" für Violine und Klavier von Giuseppe Tartini war ein verheißungsvoller Auftakt. Tartinis berühmte Violinsonaten des italienischen Barock verlangen in den schnellen Sätzen hohe technische Anforderungen bis zur Virtuosität, die langsamen Sätze sind von edler Kantabilität. Von Hansgeorg Marzinkowski

Dem entsprach Michael Nachbar in beglückender Weise. Umso mehr erstaunte dann sein ungenaues Spiel bei dem populärsten Stück aller Orchesterwerke Johann Sebastian Bachs, der "Air" aus der "Suite Nr. 3 D-Dur" (BWV 1068). Sehr zuverlässig waren allerdings die Begleiter an Orgel und Klavier, Tamara Buslova, die Piano- und Orgel-Examen in ihrer Heimat Moldawien gemacht hat, sowie Günther Wiesemann (61).

Von dem Hattinger Organisten und Komponisten stammte das nächste Werk: "In luce aeterna", einer Meditation für Violine, Orgel und Schlagwerk. Der Titel ist irreführend, denn die Violine hat in wenigen Sequenzen allenfalls begleitende Funktion. Und auch die Schläge auf Tontöpfe (Tamara Buslova) wirkten wie zufällig.

Dafür pflegte viel zu langatmig Günther Wiesemann an der Orgel sein "polystilistisches Spiel", das er einst bei Jürg Baur gelernt hat. Da waren seine "sforza robur ritmico" für Schlaginstrumente zu drei Spielern deutlich abwechslungsreicher. Mit Metallophon, Gong, Triangel, Kastagnetten und weiteren Instrumenten entstanden raffinierte Klangwirkungen.

Als sich dann noch der Glockenschlag der Christ König-Kirche einmischte, empfand das Zuhörerin Regina Knips "ganz spannend und keineswegs zufällig". Den das Konzert beschließenden ersten Satz aus der "Sonate für Arpeggione und Klavier a-Moll", mit dem Franz Schubert 1824 diesem Instrument - einer Mischung aus Violoncello und Gitarre - ein Denkmal setzte, hört man bei Musikschulkonzerten meist besser interpretiert. Dann allerdings mit Violoncello oder Viola. Die Begleitung aber von Tamara Buslova am Flügel war wiederum vollendet zuverlässig.

Quelle: NGZ
 
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