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Neuss
Kammerorchester mit großartigen Solisten verdient mehr Publikum

Neuss. Das Neusser Kammerorchester (NKO) spielt seit etlichen Jahren auf einem derart hohen Niveau, dass Konzertreisen in die USA, nach Japan und sogar bis nach Australien und Neuseeland führten. In Europa gingen die letzten Tourneen dieses musikalischen Werbeträgers der Stadt nach Polen (2015), in diesem Jahr nach Kroatien. Vor diesen Erfolgen verwundert es, dass zu heimischen Konzerten im Zeughaus der Besuch überschaubar bleibt. So auch jetzt beim 52. Konzert Junger Neusser Künstler, bei dem der schöne Konzertsaal nur zu zwei Dritteln gefüllt war.

Davon unbeeinflusst bot das Orchester in glänzender Spiellaune einmal mehr ein Podium für junge Künstler. Die Grevenbroicherin Tabea Seibert (24) studiert zur Zeit Blockflöte am Mozarteum in Salzburg und gehört seit kurzem zum Projekt "Best of NRW". Sie eröffnete das Konzert mit der "Suite für Altblockflöte und Orchester a-Moll" von Georg Philipp Telemann.

Der gefeierte Komponist des deutschen Barock verband in seinem umfangreichen Werk häufig deutsche, italienische und französische Stilelemente. So auch in dieser Suite, einer von rund 1000, die siebensätzig im französischen Stil abgefasst ist. Der zweite Satz heißt "Les Plaisirs" (Vergnügungen), fordert aber vom Orchester und besonders der Solistin hochvirtuoses Geschick. Das hat Tabea Seibert, selbstbewusst sicher und makellos. Ihr Spiel faszinierte bis zum ebenfalls noch einmal alle virtuosen Register fordernden glanzvollen Abschluss, einer "Polonaise".

Völlig unbekümmert trat dann Jan Breer (13) auf, nachdem ihm sein Lehrer Wilhelm Junker, Horn-Dozent an der Musikschule des Rhein-Kreises, das Notenpult zurechtgerückt hatte. Er spielte das Konzert für Horn und Orchester Nr. 3 Es-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Erstaunlich, was der junge Neusser neben seinem technisch nahezu perfekten Spiel auch an Ausdruckskraft auf die Bühne brachte. Das abschließende Rondo ging er derart forsch an, dass das NKO unter der Leitung von Joachim Neugart Mühe hatte, ihm zu folgen.

An der großen Klasse des NKO durfte man sich dann erfreuen in der Sinfonie Nr. 22 Es-Dur von Joseph Haydn. Diese wegen ihres mystisch-verhangenen Charakters mit dem Beinamen "Der Philosoph" betitelte Sinfonie besticht schon im ersten Satz, wo zwei Hörner mit einem Englischhornpaar (statt Oboen) choralartig dialogisieren. Auch im zweiten und dritten Satz wird die warme Klangfarbe der Altoboen weidlich genützt. Im Trio schlagen sie gemeinsam mit den Hörnern einen Spannungsbogen zu Mozarts Hornkonzert. Bei so vielen Hörnern musste das Presto-Finale Jagdassoziationen wecken, ein reizvoller Schluss eines wie immer hochkarätigen Konzertes.

(Nima)
 
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