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Neuss
Karim Mohamed - plötzlich Preisträger

Neuss: Karim Mohamed - plötzlich Preisträger
Fünf Monate forschte Karim Mohamed vom Alexander-von-Humboldt-Gynmasium über die Geschichte der "Juden in Grimlinghausen. FOTO: Andreas Woitzschützke
Neuss. Der 15-jährige Schüler hat beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten einen Förderpreis gewonnen. Er überzeugte die Jury mit seiner Arbeit "Juden in Grimlinghausen". Dabei liegt ihm Geschichte gar nicht so sehr. Von Andreas Gruhn und Madlin Zdravkovic

Eigentlich liest Karim Mohamed gar nicht so gerne. Der 15-Jährige spielt Basketball im Verein, musiziert in einer Band. Und im Mathe-Unterricht fühlt er sich normalerweise auch wohler als in der Geschichtsstunde. Aber ein Thema hatte es dem Neuntklässler vom Alexander-von-Humboldt-Gymnasium derart angetan, dass er mit seiner Arbeit die Juroren beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten beeindruckte und als einziger Neusser mit einem Förderpreis ausgezeichnet wurde: Karim Mohamed beschäftigte sich fünf Monate lang mit dem Thema "Juden in Neuss-Grimlinghausen" - herauskam die preiswürdige 30-seitige Facharbeit.

Nun sitzt Mohamed im Schulcontainer am Humboldt-Gymnasium, vor ihm Urkunde mit der aufgedruckten Unterschrift von Bundespräsident Joachim Gauck. Dazu gibt es noch ein Preisgeld, das überwiesen werden soll. Das vorgegebene Thema des Wettbewerbs lautete "Anders sein. Außenseiter in der Geschichte". Mehr als 5000 Schüler machten deutschlandweit mit und reichten knapp 1600 Beiträge ein. 73 Arbeiten aus NRW werden am Montag mit einem Landespreis ausgezeichnet, 69 erhalten Förderpreise - wie die von Karim Mohamed.

Die Geschichts-AG am Humboldt-Gymnasium unter der Leitung von Heike Fischer machte sich im September an die Arbeit. Die Geschichte der Juden in seinem Stadtteil, in dem Karim Mohamed seit 15 Jahren lebt, war für ihn von Anfang an faszinierend. Im ersten Monat hat er in Zeitschriften, Büchern wie "Mythos des 20. Jahrhunderts" oder "Juden in Neuss" (Autor: Stefan Rohrbacher) aus dem Jahr 1986 recherchiert. Seine Großmutter, die schon seit langer Zeit in Grimlinghausen lebt, erzählte ihm Erlebnisse und gab ihm den bedeutenden Hinweis auf einen Menschen, der sich besonders gut mit dem Thema auskennt: Der frühere Norfer Gymnasial-Direktor Karl Kuhl ist ein ausgewiesener Kenner der Ortsgeschichte. Eine Nachbarin half zudem, eine historische Quelle in alter Sütterlin-Schrift zu entziffern. Die Geschichte, die Mohamed aufschrieb, beginnt im Mittelalter und endet in der heutigen Zeit, mit der Verlegung der Stolpersteine für die Familie Rosenberg im Januar durch den Künstler Gunter Demnig. Mohamed wusste, dass Juden fast immer verfolgt und unterdrückt wurden. Und sagt er mit gesenktem Kopf: "Mich wundert, dass niemand wusste, was mit den Juden nach ihrer Verschleppung passierte, und es vor allem auch niemanden interessierte."

Mohamed, der doch gar nicht gerne liest, war plötzlich gefesselt von dem Thema und verbrachte Teile seiner Freizeit am Schreibtisch. Er studierte, was er herausfand und schrieb die Geschichte sorgfältig auf. Er arbeitete so akribisch, dass er die Arbeit einen Monat vor Abgabe seiner Lehrerin zur Korrektur gab. Einen Monat vor Abgabe fertig - sogar bei Studenten gilt das als Seltenheit. Trotzdem ist für ihn klar: "Ich glaube nicht, dass ich später mal was mit Geschichte mache."

Quelle: NGZ
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