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Neuss
Kaum Contra gegen Kunstschenkung

Neuss: Kaum Contra gegen Kunstschenkung
Tayfun Belgin, Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, Uta Husmeier-Schirlitz, Moderatorin Helga Bittner und Christoph Hölters (v.l.) und Armin Badort (nicht im Bild) tauschten sich bei einer Podiumsdiskussion im Romaneum jetzt über die angebotene Jugendstilkunst-Schenkung aus. FOTO: Lothar Berns
Neuss. Bei der jüngsten Podiumsdiskussion im Romaneum herrschte weitestgehend Einigkeit - die Stadt sollte sich die Chance auf die Jugendstilsammlung nicht entgehen lassen. Positives gab's auch von der finanziellen Unterstützung zu berichten. Von Simon Janssen

Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff erinnert sich noch gut an das Gespräch mit dem früheren Düsseldorfer Oberbürgermeister Klaus Bungert. Der 2006 gestorbene Sozialdemokrat verriet dem heute 66-jährigen, ehemaligen NRW-Kulturstaatssekretär vor einigen Jahren, dass ihm einst die wertvolle Kunstsammlung von Heinrich Baron Thyssen-Bornemisza de Kászon angeboten worden war - für 300 Millionen D-Mark. Bungert lehnte in Anbetracht der hohen Summe jedoch ab. "Später sagte er mir, dass sich diese Entscheidung als großer Fehler herausstellte. Schließlich pilgern Millionen Besucher jedes Jahr nach Madrid, um diese Werke zu sehen. Das hätte man auch in Düsseldorf haben können", sagte Grosse-Brockhoff bei der Podiumsdiskussion, die am am Montagabend im gut besuchten Romaneum von NGZ-Kulturredakteurin Helga Bittner moderiert wurde. Nun solle Neuss nicht den gleichen Fehler begehen - und die wertvolle Jugendstil-Sammlung, die der Stadt sogar geschenkt werde, annehmen.

Die weiteren Gäste - Uta Husmeier-Schirlitz, Direktorin des Clemens-Sels-Museum, Tayfun Belgin, Direktor des Osthaus-Museums in Hagen, und Armin Badort, Vorsitzender des Museumsvereins, - stimmten zu: Die Chance darf sich die Stadt nicht entgehen lassen. Auch Christoph Hölters, Beigeordneter für Stadtplanung, der einen Überblick über die baulichen und finanziellen Aspekte gab, sprach von Aufgaben und nicht von Herausforderungen. Dennoch muss die Stadt für die von vielen präferierte Lösung des Anbaus, die neben Räumlichkeiten für die Schenkung auch Platz für Wechselausstellungen bieten soll, rund 16 Millionen Euro aufbringen. Deshalb war Kulturdezernentin Christiane Zangs auf Werbetour - unter anderem bei der Bundesstiftung für Kultur in Berlin -, um Unterstützer für das Projekt zu finden. Nun berichtete sie von den Zwischen-Ergebnissen. An die fünf Millionen Euro seien bereits zugesichert worden. "Jede Million, die an Fördermitteln eingeworben wird, bedeuten 50.000 Euro weniger Miete. Bei fünf Millionen Euro würden wir somit 250.000 Euro sparen", sagte Zangs.

Nach Angaben von Hölters liegen die Betriebskosten des Bauwerks bei der angestrebten Lösung zwischen 700.000 und anderthalb Million Euro pro Jahr. Dies sei jedoch lediglich die Abschreibung des Bauwerks. Die Kosten für den Museumsbetrieb - wie Heizung und Reinigung - seien in dieser Rechnung nicht berücksichtigt.

Laut Zangs hätten einige ihrer Gesprächspartner sogar einen sogenannten Letter of Intent ausgestellt - also eine mehr oder weniger rechtsverbindliche Willenserklärung, sich an dem Projekt finanziell beteiligen zu wollen, sollte der Rat zustimmen. "Das ganze steht aber natürlich unter Gremienvorbehalt", sagte Zangs, die die Gespräche als "sehr erfolgreich" bezeichnete. Besonders gefreut hat diese Nachricht Uta Husmeier-Schirlitz, die den gesellschaftlichen Stellenwert von Museen anhand einer Statistik des Bundesamtes für Museumsforschung darstellte - so hätten im Jahr 2014 rund 112 Millionen Menschen deutsche Museen besucht. "Zehnmal mehr als die Bundesliga in der gesamten Saison", sagte die Leiterin des Clemens-Sels-Museums.

Doch auch Bedenken wurden geäußert. So machte ein Bürger darauf aufmerksam, dass ein beliebter Fußweg zwischen Zitadelle und Obertor bei allen drei Bauvarianten zugebaut werden würde. Ob die Schenkung angenommen wird, entscheidet der Rat am 15. April.

Quelle: NGZ
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