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Neuss
Keine Aussichten auf mehr Aussicht

Neuss: Keine Aussichten auf mehr Aussicht
Willi und Renate Esser wünschen sich mehr als nur eine Sitzbank an ihrer Spazierroute in den Grimlinghausener Rheinauen. Die Stadt Neuss sagt, das sei in diesem Bereich Sache des Rhein-Kreises. Dieser stellt aber gar keine Bänke auf. FOTO: woi
Neuss. Das Ehepaar Esser aus Grimlinghausen geht täglich in den Rheinauen an der Fleher Brücke spazieren. Gerne würde es auch Pausen einlegen. Es gibt aber nur eine Sitzbank. Die Stadt wird aber nicht tätig werden, der Kreis kann es nicht. Von Markus Plüm

Renate Esser und ihr Mann Willi genießen das Leben. Das Rentnerehepaar wohnt seit 30 Jahren unweit des Rheins in Grimlinghausen und nutzt die Nähe zum Fluss, um täglich einen Spaziergang zu unternehmen. Eine Stunde lang schlendern die beiden dann durch die Rheinauen an der Fleher Brücke. Doch seit einiger Zeit fällt ihnen das zunehmend schwer, mit 79 und 81 Jahren befinden sie sich schließlich schon im fortgeschrittenen Alter.

Daher würden die Essers auf ihren Runden zwischen der Straße "Am Röttgen", der A 46 und dem Rhein gerne Pausen einlegen. Doch das sei schlicht nicht möglich. "Es gibt hier nur eine einzige Sitzbank im gesamten Gebiet", moniert Renate Esser. "Die steht ziemlich am Anfang unserer Runde. Aber wenn es dem Ende entgegen geht, fehlen einfach Sitzmöglichkeiten. Das wird manchmal schon anstrengend."

Die bereits vorhandene Bank sei übrigens nur aufgestellt worden, weil die Essers vor einigen Jahren bereits die Initiative ergriffen. "Wir haben Klaus Kaster von der CDU angesprochen, er hat sich dann gekümmert. Ein paar Wochen später stand die erste Bank hier", berichtet Willi Esser. Seitdem sei aber nichts mehr passiert. Mehrmals hätten sie an den verschiedensten Stellen angefragt, immer sei der Hinweis gekommen: "Wenn Sie die bezahlen, können wir gerne eine Bank aufstellen."

Die Essers möchten aber nicht in die eigene Tasche greifen. "Man kann auch einmal etwas für die älteren Menschen machen", sagt Willi Esser. Weiterhin würden weitere Bänke ja auch von anderen genutzt werden können. "Hier leben auch viele junge Familien mit Kindern, die ebenfalls gerne in die Rheinaue gehen. Auch für die wäre so etwas sinnvoll", ergänzt Renate Esser. "Es wird so viel Geld für andere Sachen ausgegeben, da dürfte so eine Sitzbank doch eigentlich kein Problem sein."

Der Stadt Neuss sind derweil die Hände gebunden. Denn selbst wenn sie wollte, dürfte sie im Spazier-Revier der Essers überhaupt nicht tätig werden. "Die Flächen sind größtenteils Naturschutzgebiet und gehören dem Rhein-Kreis Neuss, die Stadt Neuss ist nur in einem kleinen Teilbereich zuständig. Daher gibt es seitens der Stadt keine Planung, weitere Bänke in diesem Gebiet aufzustellen", teilt Tobias Spange, Pressereferent der Stadt Neuss, mit.

Laut Rhein-Kreis ist dies allerdings sowieso nicht ohne weiteres möglich. Denn der Landschaftsplan verbiete das Aufstellen von Bänken in Naturschutzgebieten grundsätzlich. "Es können aber Anträge bei der unteren Naturschutzbehörde gestellt werden, eine Befreiung von diesem Verbot zu prüfen", erklärt Reinhold Jung von der Kreisverwaltung. Bei erfolgreicher Aufhebung müsse anschließend aber erneut die Stadt tätig werden. "Denn der Kreis stellt überhaupt keine Bänke auf, wir sind nur für die Pflege und Entwicklung von Naturschutzgebieten zuständig."

Quelle: NGZ
 
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