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Neuss
Kinder entdecken Shakespeares Globe

Neuss: Kinder entdecken Shakespeares Globe
Adelheid von Werden (l.) kennt das Globe bestens: Seit 21 Jahren arbeitet sie beim Shakespeare-Festival im Team von Rainer Wiertz. FOTO: Woi
Neuss. Bei der Ferienspaß-Führung konnten Kinder das Globe-Theater an der Neusser Rennbahn entdecken, einen Blick in die Umkleiden werfen, auf den teuersten Plätzen Probe sitzen, unter die Bühne krabbeln und selber zu Macbeth werden. Von Jascha Huschauer

Das schwarz lackierte Holz der Bühne knarzt unter den Füßen von Adelheid von Werden. "Hier ist dann normalerweise der Vorhang, und hier sind wir schon hinter der Bühne", sagt die 56-Jährige. Sieben Kinder und fünf Mütter schauen sie erwartungsvoll und wissbegierig an.

Von Werden arbeitet seit 21 Jahren als Assistentin des künstlerischen Leiters des Shakespeare-Festivals, Rainer Wiertz, und führt beim Neusser Ferienspaß an diesem Samstag eine Gruppe durch das Globe-Theater. Der zwölfeckige, maßstabgerechte Nachbau des Theaters, für das William Shakespeare einst seine Stücke schrieb, steht seit 1991 an der Rennbahn. Die Besucher der Führung dürfen nun in dem mehr als zwölf Meter hohen und 80 Tonnen schweren Bau aus Stahl und Holz hinter die Kulissen sehen.

Nach dem Gang über die Bühne geht es erstmal auf den Zuschauerraum. Mittig vor der Bühne sitzen die Zuschauer nicht auf Holzbänken, sondern auf Kinosesseln. "Das sind beim Shakespeare-Festival die teuersten Plätze", sagt von Werden. Dann erklärt sie, wer Shakespeare war, was er geschrieben hat und warum Menschen heute noch seine Stücke sehen wollen. Den Kinder verdeutlicht sie, aus welcher Zeit Shakespeares Werke stammen: "Damals durften nur Männer Theaterspielen." Die Kinder gucken verdutzt und fragen, wie das denn gehen soll. Und von Werden erzählt von einem Stück beim Shakespeare-Festival. Da hatte ein Ensemble zu Beginn von "Romeo und Julia" erst ausgelost, wer welche Rolle spielt. Das Ergebnis: "Die Julia war 60 Jahre alt, rund und hatte einen Bart", sagt von Werden. Die Kinder lachen. "Ja, damals haben auch alle gelacht. Aber dann war das eine der besten Darstellungen der Julia, die ich je gesehen habe", sagt sie

Immer wieder bereichert die 56-Jährige ihre Führung mit solchen Anekdoten. Auch als sie die Besucher in die Umkleiden der Schauspieler führt - vorbei an einer vollgeschriebenen Wand, leeren Kleiderständern, Spiegeln und einem versifften Sofa. Immer weiter geht es die Treppe rauf. Bis zur Technik unterm Dach. Da warten bunte Folien für Scheinwerfer, Kabel, Papierstapel mit Ablaufplänen und eine halb leergetrunkene Wasserflasche auf ihre nächsten Einsätze. "Sehr ordentlich ist es hier aber nicht", sagt eine der Mütter.

Wieder unten angekommen, bietet Adelheid von Werden den Kindern noch eine kleine Mutprobe: "Wer von euch traut sich denn, unter die Bühne zu krabbeln?" fragt sie. Mehrere Kinder zeigen auf. Sie sollen eine Falltür finden, mit der man von unten auf die Bühne gelangt. Von Werden drückt einem Kind eine Taschenlampe in die Hand und sagt: "Vielleicht findest Du ja das Kind, das ich letzte Woche hier verloren hat." Kinder und Eltern lachen.

Als die Falltür gefunden ist und alle Kinder zurück sind, drückt Adelheid von Werden noch allen Teilnehmern einen Stapel Papier in die Hand - eine gekürzte Erzählfassung von Macbeth. Gemeinsam sollen sie das Stück nun auf der Bühne spielen. Tim Niklas Göbert (13), er übernimmt Macbeths Gefährten Banquo, ist zusammen mit seiner Mutter Jutta Schmidt-Göbert gekommen. Die 46-Jährige ist seit ihrer Jugend großer Shakespeare-Fan. "Da ist einfach alles drin, was uns Menschen beschäftigt: Tod, Liebe, große und kleine Emotionen", sagt sie. Tim Niklas hat die Führung durchs Globe gefallen. "Ich habe schon öfter gefragt, wann ich endlich mal mitkommen darf", sagt er.

Quelle: NGZ
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