| 00.00 Uhr

Neuss
Kino ausschließlich als mitreißender Hörgenuss

Neuss. Die mehr als 1000 Zuhörer in der Neusser Stadthalle erfreuten sich an Filmmusik aus beinahe 80 Jahren.

Das Neujahrskonzert der Stadt Neuss wurde gestern in der Stadthalle von weit mehr als 1000 Zuhörern als "eigentlich nicht mehr zu toppen" gefeiert. Die Deutsche Kammerakademie Neuss am Rhein (DKN) unter Leitung von Chefdirigent Lavard Skou Larsen hatte sich exzellent auf das Programm "Kino für die Ohren" eingelassen: Filmmusik aus beinahe 80 Jahren, ausnahmslos von Titeln, die Oscar-nominiert oder -prämiert waren.

Daniel Finkernagel, inzwischen wertvoller DKN-Moderator und irgendwie durch seine humorvollen Nuancen Wahl-Neusser, erläuterte das so: "Wir hören nur Soundtracks, das hat den Vorteil, Sie können sich Ihren eigenen Film machen. Unsere Traumfabrik ist dabei die DKN." Mit einem Thema aus dem Film "Zurück in die Zukunft" (1985) war ein grandioser Beginn gewählt worden. Das temperamentvolle 60-Mitglieder-Orchester spielte fulminant auf. Die DKN war mit feinen Holzbläsern, vier Hörnern, Trompeten, Posaunen, Tuba, Harfe, Flügel und alleine vier Musikern für Pauken und Schlagwerk zu sinfonischer Größe aufgebaut.

Gleichwohl ging es in "Vom Winde verweht" (1939) träumerischer zu, erst recht bei "Lara's Thema" aus "Doktor Schiwago". Maurice Jarre hat dafür 1966 den Oscar für die beste Musik erhalten. Bereits 1963 erhielt er diese Auszeichnung für seine Musik zu "Lawrence von Arabien".

Nach martialischem Pauken-Intro gelingt der DKN auch köstlicher Streicherschmelz. Ennio Morricone komponiert als moderner Klassiker des italienischen Films, nicht nur in "Cinema Paradiso" (1988), sondern auch 20 Jahre früher im Italowestern "Spiel mir das Lied vom Tod" (1968). Das Leitmotiv der Jill - im Film Claudia Cardinale - sang in der Stadthalle die Kölner Sopranistin Barbara Felicitas Marin mit gewaltiger Steigerung zum ultimativ höchsten Ton. In glänzender Orchesterleistung geschieht die Auseinandersetzung zwischen deutschen Soldaten und Einheimischen in "Casablanca" (1942).

Max Steiner lässt zum Schluss letztere mit hymnischer Marseillaise triumphieren. Weitere begeisternd gespielte Filmmusiken boten den Zuhörern spannende Kurzweil, auch wenn es motorisch dumpf und bedrohlich wurde wie bei John Williams Musik zu "Der weiße Hai" (1975). Dafür entspannten dann die Zugaben mit Ron Goodwins Rokoko-Thema zu "Miss Marple" (1961) und Elmer Bernsteins Titelthema zu "Gesprengte Ketten" (1963). Als Daniel Finkernagel das Neujahrskonzert beendete mit den Worten "Lang lebe Neuss! Lang lebe die DKN!" gab es vor aktuellem Hintergrund donnernden Applaus.

(Nima)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Neuss: Kino ausschließlich als mitreißender Hörgenuss


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.