| 20.08 Uhr

Neuss
"K.I.T.T. - bitte kommen"

Fotos: Auto "K.I.T.T" aus "Knight Rider" steht in Neuss
Fotos: Auto "K.I.T.T" aus "Knight Rider" steht in Neuss FOTO: Berns, Lothar
Neuss. Orkan Kuyas hat sich einen Kindheitstraum erfüllt - und sich ein Original-Fahrzeug aus der Kultserie Knight Rider gekauft. Von Simon Janssen (Text) und Lothar Berns (Fotos)

Wenn Orkan Kuyas die Zeit in seinen Gedanken um 30 Jahre zurückdreht, dann sieht er sich als kleinen Jungen, der gespannt vor dem Röhrenfernseher hockt. Mit kindlicher Vorfreude wartet er auf die Melodie mit den knarzenden Synthesizern und dem hallenden Schlagzeug. Gleich geht sie wieder los, die Jagd auf lichtscheue Schurken, denen der junge David Hasselhoff in der Rolle des Michael Knight mit gewitzter Cleverness das Handwerk zu legen weiß.

Doch es ist nicht nur der mutige Lockenkopf mit enger Jeans und Lederjacke, der den kleinen Orkan begeistert. Besonders fasziniert ist der Achtjährige von Hasselhoffs Partner "K.I.T.T." - einer Schönheit auf vier Rädern mit glänzend-schwarzem Lack, die sich mit bunt leuchtenden Schalt-Knöpfen ihren Weg durch die Dunkelheit bahnt. "K.I.T.T." ist kein normales Fahrzeug. Es verfügt über Funktionen, die jedes Bond-Auto in den Schatten stellen. Der Sportwagen kann mit allen brennbaren Flüssigkeiten betrieben werden und erreicht Geschwindigkeiten jenseits von 480 Kilometern pro Stunde. Wenn Michael Knight von seinem Wagen getrennt ist, kann er über seine Armbanduhr mit ihm kommunizieren - denn "K.I.T.T." verfügt über künstliche Intelligenz und kann sprechen - viel mehr Jungentraum geht nicht.

Nachdem der Abspann der Serie über den Bildschirm flatterte, kam es nicht selten vor, dass Orkan auf den Sattel seines Fahrrads stieg, durch die Neusser Straßen sauste und in seiner Fantasie als Knight Rider auf Verbrecherjagd ging. "Ich habe mir sogar Zeitungsschnipsel an meinen Lenker geklebt - das waren dann meine Schalter für das Cockpit", erinnert er sich.

30 Jahre später steigt Orkan Kuyas in ein Auto mit glänzend-schwarzem Lack - eine Schönheit auf vier Rädern, die sich mit leuchtenden Schalt-Knöpfen ihren Weg durch die Dunkelheit bahnt. Doch diesmal ist es keine Fantasie. Es ist tatsächlich das Auto aus seiner Lieblingsserie - ein Pontiac Trans Am, Baujahr 1982, mit originaler Fünf-Liter-Maschine. "Einfach sexy", sagt der 38-Jährige, während er den Motor aufheulen lässt. Mittlerweile ist sein Gesicht bärtig und der Fernseher keine Röhre mehr. Die Begeisterung für die Kult-Serie ist jedoch geblieben - und so erfüllte sich der Neusser Anfang Februar einen seiner größten Kindheitsträume. "In einer Facebook-Gruppe wurde ein ,K.I.T.T.' aus Originalteilen angeboten - ich habe direkt zugeschlagen", sagt Kuyas, der sein Geld als Börsenmakler verdient.

Nur zwei Tage später flog der Neusser nach England. In der Nähe von Manchester wurde er vom charakteristischen Sound des Scanners - eine Reihe blinkender roter Lichter, die an der Fahrzeugfront hin- und herwandern - empfangen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Wiederum zwei Tage später reiste Kuyas zum zweiten Mal ins Vereinigte Königreich, um sein neues Schmuckstück abzuholen. Die Rückreise, die er um 50.000 Euro ärmer antrat, wird ihm lange im Gedächtnis bleiben: "Der Linksverkehr, die Angst, dass etwas passiert - mir standen die Schweißperlen auf der Stirn." Doch die Strapazen waren schnell vergessen. Sicher zu Hause angekommen, realisierte Kuyas erst, was er da für ein Auto erstanden hat. Der Pontiac besteht nicht nur aus Originalteilen von Fahrzeugen, die in der Serie gefahren wurden, das Auto nutzte Hasselhoff auch in einem seiner letzten Werbespots. Ein Autogramm des Schauspielers schmückt das Armaturenbrett. Zwar erreicht Kuyas "K.I.T.T." keine 480 km/h, dafür hat es viele andere Funktionen wie einen Tempomat oder eine Himmelsrichtungsanzeige, die mit den Knöpfchen im Cockpit bedient werden können. Nur vom Flugzeuglenker wird er sich schweren Herzens trennen müssen - denn nächste Woche geht's zum TÜV, der nicht dafür bekannt ist, ein Auge zuzudrücken - auch nicht bei 30 Jahre alten Jungenträumen.

Quelle: NGZ
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