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Neuss
Klein-Bethlehem liegt in Grimlinghausen

Neuss: Klein-Bethlehem liegt in Grimlinghausen
Maria und Hermann Dickmanns vor ihrer Krippe. Die Kulisse sowie die Wege und Bäume haben sie selbst gestaltet und das Hintergrundbild von einem Künstler malen lassen. Herzstück der Krippe sind aber ihre geliebten Figuren. FOTO: woi
Neuss. Seit 1981 sammeln Maria und Hermann Dickmanns handgeschnitzte Holzfiguren aus dem Grödnertal für ihre Weihnachtskrippe. Die nimmt im Wohnzimmer des Ehepaars mittlerweile einen Platz von vier mal 1,20 Meter ein. Von Laura Ihme

Maria und das Jesuskind müssen noch ein paar Tage warten. Ihren großen Auftritt haben die beiden handgroßen Holzfiguren an Heiligabend, schließlich wird dann erst die Geburt Christi gefeiert. Die beiden stehen deshalb im Moment noch auf der Fensterbank von Familie Dickmanns, gut versteckt hinter ihrer Krippe. Vier mal 1,20 Meter ist die groß und damit vermutlich eine der größten Krippen in Privatbesitz in Neuss. Seit 1981 wurde sie von Maria und Hermann Dickmanns immer wieder mit unzähligen handgeschnitzten Figuren aus dem Grödnertal (Südtirol) bestückt, die Kulisse mit Stall und Herbergen sowie den mit Steinen und Moos gesäumten Weg dorthin hat das Ehepaar selbst gestaltet. Fast jeden Tag im Advent und in der Zeit bis zum Dreikönigstag am 6. Januar werden die Figuren neu in Szene gesetzt - je nachdem, wie weit sie auf ihrer Reise sind.

"In meiner Kindheit wurde jedes Jahr unsere Krippe zu Weihnachten aufgebaut. Das gehört für mich einfach zum Fest dazu. Mein Mann kannte diese Tradition aber nicht. Und als wir dann geheiratet haben, haben wir sofort eine Krippe angeschafft", sagt Maria Dickmanns. In dieser ersten Version der Weihnachtskrippe der Familie waren die Figuren noch aus Gips, gekauft in der Neusser Innenstadt. "Aber mit den Jahren und durch unsere drei Kinder haben die Figuren ganz schön was abgekriegt", sagt Dickmanns. Also mussten neue her.

Und die fand das Paar schließlich im Urlaub im Grödnertal, das bekannt ist für seine Holzschnitzkunst. "Im ganzen Ort haben wir nach Figuren gesucht und sie schließlich neben unserer Pension gefunden", sagt Hermann Dickmanns. Ab diesem Zeitpunkt kaufte und bestellte das Ehepaar immer wieder Figuren, Maria, Josef und das Jesuskind, die Heiligen Drei Könige, Hirten mit ihren Schafen, aber auch ganz normale Dorfbewohner, einen Brunnen mit echter Seilwinde für den Eimer, Engelchen und Vögel. Die Krippe wuchs und wuchs. "Meine Lieblingsfigur ist diese hier", sagt Maria Dickmanns und nimmt einen Wandersmann, der seine Schuhe ausgezogen hat, in die Hand. "Und der Mann, der den störrischen Esel hinter sich herzieht." Seinen angestrengten Gesichtsausdruck hat Familie Dickmanns genau so beim Holzschnitzer bestellt. Die Figuren sind Einzelstücke - und dementsprechend teuer: Um die 200 Euro kostet eine von ihnen.

Kein Wunder also, dass sich Maria und Hermann Dickmanns jedes Jahr zu Weihnachten erneut die Mühe machen, die Riesenkrippe, die immerhin gut ein Viertel des Wohnzimmers in Anspruch nimmt, aufzubauen. "Es dauert einen Tag, alles aus dem Keller zu räumen, den Unterstand aufzubauen und auch das frische Moos und die Steine zu verteilen", sagt Hermann Dickmanns. Er selbst sei dabei für das Grobe zuständig, seine Frau betreue den Aufbau der Figuren. "Das ist echtes Teamwork. Die Krippe ist unser gemeinsames Projekt", sagt Maria Dickmanns. Ein Projekt, das auch von Nachbarn und Freunden nicht unbeachtet bleibt, die sich regelmäßig zum Staunen mit Kindern und Enkelkindern ankündigen. "So lange wir es noch können, bauen wir unsere Krippe jedes Jahr weiter auf", sagt Dickmanns, die am 6. Dezember ihren 78. Geburtstag feierte.

Im Moment befinden sich die schwangere Maria und Josef übrigens auf halber Strecke nach Klein-Bethlehem in Grimlinghausen. Und es geht weiter vorwärts.

Quelle: NGZ
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