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Neuss
Kling galt schon zu Lebzeiten als "Klassiker"

Neuss. Der Veranstaltungstag der Stiftung Insel Hombroich zur Erinnerung an den Dichter Thomas Kling war gut besucht. Von Claus Clemens

Vor zehn Jahren starb der Dichter Thomas Kling. Er wurde nur 47 Jahre alt. Zusammen mit seiner Frau, der Malerin Ute Langanky, lebte Kling seit 1995 auf der Hombroicher Raketenstation. In Erinnerung an sein Leben und Werk richtete die Stiftung Insel Hombroich gestern einen gut besuchten Veranstaltungstag aus.

Wer die Station kennt, weiß, dass sie zu Zeiten des Kalten Krieges Teil des Nato-Luftverteidigungsgürtels war und aus sehr unterschiedlichen Gebäuden besteht. Im Haus mit dem höchsten Turm wohnten Kling und Langanky. Die Malerin lebt heute noch dort und hat in den Räumen ein eindrucksvolles Werkarchiv für den Dichter eingerichtet. Natürlich war auch das Deutsche Literaturarchiv in Marbach am Nachlass Thomas Klings interessiert. Dort aber habe man nur die handschriftlichen Texte gesammelt, meint Ute Langanky: "Vermutlich stünden die nur in Kisten herum." Deshalb richtete sie mit fachlicher Beratung des Düsseldorfer Heine-Instituts eine Mischung aus Bibliothek und Originalschriften ein. Die Bücher sind so sortiert, wie Kling sie für seine Arbeit nutzte. Ganze Regalmeter präsentieren die Sagenwelt Europas.

Inzwischen wird auch der digitale Schreibprozess des Dichters erforscht. Wie überhaupt viele Nachwuchswissenschaftler in diesem Archiv ihre Magister- oder Doktorarbeiten über Kling vorbereiten. Zum Erinnerungstag hat eine Jungakademikerin von der Bonner Uni ihre frisch gedruckte Arbeit mitgebracht. Trotz seines frühen Krebstodes war Kling mit seinen Werken bereits lange ein "Klassiker". Auch wegen seiner brillanten Rezitationen, die er "Sprachinstallationen" nannte, galt er als die markanteste Stimme unter den deutschen Lyrikern. In Düsseldorf aufgewachsen, ging er zum Studium nach Wien, verbrachte dort prägende Jahre in Kontakt mit H.C. Artmann und Ernst Jandl, lernte aber auch Friederike Mayröcker kennen. Sein poetologisches Credo: "Wir wollen hier nicht das knarrend-geschmeidige Burgtheaterdeutsch zurück; die geschriebene, wie die gesprochene Sprache müssen beide auch eine Spur Straßendreck unter den Nägeln haben."

Ein neues Kling-Buch gibt es auch: "Die gebrannte Performance", herausgegeben von Nobert Wehr und Ulrike Janssen. Die in Hombroich dargebotenen Hörproben ließen den Dichter mit einem seiner Hauptthemen zu Wort kommen, dem Ersten Weltkrieg. Was waren damals die Modefarben, fragt er ironisch. Im ersten Kriegsjahr noch die leuchtenden Südfrüchte auf dem Weihnachtsteller, ein Jahr später bereits das "kleine Schwarze" zur Trauerfeier.

Quelle: NGZ
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