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Neuss
Kolpingwerk startet Produktionsschule

Neuss: Kolpingwerk startet Produktionsschule
Beate Hendges leitet die Kolping-Bildungsstätten in Neuss. Am Standort Adolfstraße ist nun die neue Produktionsschule untergebracht. FOTO: L. Berns
Neuss. In den Werkstätten in der Nordstadt ist ein Teilstandort einer neuen Fortbildungsmaßnahme entstanden. Jugendliche können dort einen Schulabschluss nachholen und sich für das Berufsleben fit machen. Von Martin van der Pütten

Für 36 Jugendliche aus dem Rhein-Kreis hat soeben die Produktionsschule begonnen. Das ist eine neue Schulform, mit der Mädchen und Jungen auf das Berufsleben vorbereitet werden sollen, die nicht auf Anhieb einen Ausbildungsplatz gefunden haben. Bei der Produktionsschule arbeiten die Jugendlichen unter möglichst realen Bedingungen, wie es sie auch in einem Ausbildungsbetrieb gibt. 18 Schüler interessieren sich für die beiden Schwerpunkte "Lager und Handel" sowie "Farbe und Raumgestaltung", die beide in den Räumen des Kolping-Bildungswerkes an der Adolfstraße vermittelt werden. Weitere 18 Plätze in den Bereichen "Friseur und Kosmetik" und "Holzbearbeitung" sind am Berufsförderungszentrum in Schlicherum angesiedelt.

Doch für viele Jugendliche in der Produktionsschule geht es um Grundlegenderes. Sie haben private Schwierigkeiten, müssen sich erst wieder an einen geregelten Tagesablauf gewöhnen und sind "schulmüde", wie Beate Hendges, die Leiterin des Kolping-Bildungswerkes in Neuss, es nennt. Sie sagt: "Die Jugendlichen sind noch nicht so weit, sie brauchen ganz einfach noch etwas Zeit." Sie werden individuell gefördert und sollen praktische Fähigkeiten in ihren gewählten Schwerpunkten erlangen. Parallel dazu gehen sie auch zur Schule. Für diesen theoretischen Teil besuchen sie an zwei Tagen in der Woche das Berufsbildungszentrum des Kreises in Grevenbroich. Dort können sie einen Schulabschluss nachholen.

Die Produktionsschule ähnelt damit dem Werkstattjahr, das seit 2005 stark nachgefragt wurde und letztmals im Schuljahr 2014/15 umgesetzt werden konnte. Die Schule ist ein Angebot des NRW-Arbeitsministeriums im Rahmen der Initiative "Kein Abschluss ohne Anschluss". Zusammen mit dem Europäischen Sozialfonds trägt das Ministerium auch zwei Drittel der Kosten, die sich im Rhein-Kreis auf jährlich 388 000 Euro (das sind 900 Euro pro Schüler pro Monat) belaufen. Das letzte Drittel für das Schuljahr 2015/16 hat der Rhein-Kreis beigesteuert. Darüber hinaus ist die Finanzierung des Projektes nicht gesichert.

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke begrüßte die 36 Jugendlichen zum Schulstart. "Bildung und Ausbildung sowie handwerkliches Können sind die wichtigsten Grundlagen, die wir jungen Menschen für ihr weiteres Leben mitgeben können. Bildungschancen sind daher immer auch Lebenschancen", sagte der Landrat. Daneben waren auch der Neusser Vize-Bürgermeister Thomas Nickel, Susanne Benary-Höck, die Vorsitzende des städtischen Jugendhilfeausschusses, Beate Hendges vom Kolping-Bildungswerk, und Michael Stork vom Berufsförderungszentrum Schlicherum gekommen.

Kritik gibt es auch: So gab es im letzten Werkstattjahr noch mehr als 50 Plätze für Jugendliche, während die Produktionsschule nur 36 bietet. Außerdem erschwerten bürokratische Hürden den Zugang. "Das ist nicht immer sinnvoll", umschreibt es Beate Hendges. Im landesweiten Vergleich ist die Jugendarbeitslosigkeit im Rhein-Kreis Neuss mit 2,8 Prozent (Vorjahr: 3,0 Prozent) niedrig. In diese Statistik werden Menschen in Fördermaßnahmen wie beispielsweise die Produktionsschüler nicht eingerechnet.

Quelle: NGZ
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