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Neuss
Kompass D: Kurse für Flüchtlinge starten

Neuss: Kompass D: Kurse für Flüchtlinge starten
Rheinland-Vorstand Christoph Buchbender und die Neusser Wirtschaft gründeten das Integrationsprojekt Kompass D.
Neuss. Jungen Zuwanderern soll der Weg in ein selbstbestimmtes Leben eröffnet werden. Neusser Unternehmen finanzieren bald über ihre Initiative Kompass D zusätzlichen Förderunterricht in Mathematik, BWL oder auch Gesellschaftskunde. Von Ludger Baten

Nach Ostern beginnt der Unterricht. An vier Nachmittagen pro Woche werden 30 junge Flüchtlinge - aufgeteilt in zwei Gruppen - fit für ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland gemacht. Auf sie warten dann neben Sprachunterricht auch Mathematik, Gesellschaftskunde, Betriebswirtschaftslehre und eine Einführung in die Grundlagen der EDV. Träger der Maßnahme sind die Stadt Neuss und der Rhein-Kreis; finanziert wird das Projekt ausschließlich durch Spenden aus der Neusser Wirtschaft. "Wir ersetzen Perspektivlosigkeit durch Perspektive", sagt Christoph Buchbender (59). Der Vorstand der Rheinland-Versicherung gehört zu den Gründern der Initiative Kompass D, die hinter dem Neusser Projekt steht, das in seinem Ansatz, alle Akteure der Flüchtlingsarbeit zu vernetzen, inzwischen bundesweit Pilotcharakter besitzt. Auch die Bundesanstalt für Arbeit mit Sitz in Nürnberg ist längst auf das "Neusser Modell" aufmerksam geworden und lässt sich über Idee und Umsetzung des Projektes informieren.

Darum geht es bei Kompass D: Mit der Vermittlung von Kultur, Werten und Lebensgewohnheiten soll ein konkreter Beitrag zur gesellschaftliche Integration jugendlicher Flüchtlinge geleistet werden. Ob der Grundgedanke auch in der Breite trägt, muss sich in den nächsten Wochen und Monaten noch weisen. "Wir besitzen keine Geling-Garantie", tritt mit J.-Andreas Werhahn einer der Motoren auf die Euphoriebremse, "aber wir sind voller Optimismus und Begeisterung."

Diesen Rückenwind fassen Buchbender und Werhahn in Zahlen. Inzwischen sind 800.000 Euro - von der angestrebten Million - im Spendentopf. Um Planungssicherheit im Kreis- und im Rathaus zu gewährleisten, hat sich Kompass D verpflichtet, das Integrationsprojekt für junge Flüchtlinge mit jährlich 350.000 Euro zu finanzieren. Mehr als 20 Neusser Unternehmen haben bereits eingezahlt; weitere haben ihre Beteiligung in Aussicht gestellt. "Es gibt aktuell keinen wichtigeren Anlass, die Kräfte der Wirtschaft zu bündeln", sagt Rainer Mellis, Vorstandschef der Volksbank Düsseldorf Neuss, aus dem Lenkungskreis von Kompass D. Jetzt gehe es darum, Branchen zu identifizieren, die später gut qualifizierte junge Flüchtlinge aus dem Kompass-D-Projekt in Arbeit nehmen könnten. So wollen die Mitglieder des Lenkungsausschusses jetzt auch das Gespräch mit den Vertretern des Handwerks sowie des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) suchen. Zudem haben viele Neusser Unternehmen zugesagt, Praktikanten- und Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen.

Kompass D baut keine eigene Infrastruktur auf, sondern arbeitet integriert in dem bestehenden Organisationsrahmen von Stadt Neuss und Rhein-Kreis. Die personelle Verknüpfung erfolgt über die städtische Beigeordnete Christiane Zangs und Kreisdirektor Dirk Brügge, die beide im Lenkungsausschuss von Kompass D mitwirken.

Der erste Schritt in die operative Umsetzung wird nach den Osterferien getan. Dann werden jede Woche von Montag bis Freitag 30 von Sprachlehrern und Sozialarbeitern ausgesuchte Flüchtlinge - 15 im Berufskolleg (BIT) im Neusser Hammfeld, 15 im BBZ Grevenbroich - nachmittags in drei Schulstunden in Fächern unterrichtet, die auf den Einstieg ins Berufsleben vorbereiten, aber auch deutsche Lebensart vermitteln. Die Lehrer sind verpflichtet; das pädagogische Programm steuert die Volkshochschule (VHS) Neuss bei. J.-Andreas Werhahn kann den Startschuss kaum abwarten: "Wir wollen zeigen, wie sich die Neusser Wirtschaft gesellschaftlich angesichts einer besonderen Herausforderung bewährt."

Quelle: NGZ
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