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Neuss
Konzert mit wohltönendem Bariton

Neuss. Sänger Benjamin Appl und Pianist Simon Lepper auf der Raketenstation.

Wenn Rainer Wiertz, Kulturdezernent der Stadt Neuss und künstlerischer Leiter der Konzerte des Vereins zur Förderung des Kunst- und Kulturraumes Hombroich, hochkarätige Konzertpläne entwirft, kommt auch schon mal Glück dazu. Als er die Lieder-Matinée auf der Raketenstation mit Benjamin Appl vereinbarte, konnte er nicht wissen, dass dem jungen Künstler zwei Tage vor seinem Auftritt in Neuss der "BBC Award 2016" verliehen wurde. Bereits im Februar hatte Wiertz den "Spitzenreiter der neuen Generation der Liedersänger" (British Grammaphon Magazine) für ein Zeughauskonzert verpflichtet.

Benjamin Appl, 1982 in Regensburg geboren, hatte seine Liebe zur Musik bei den "Domspatzen" entdeckt, die ihn schließlich zum Abschluss mit Auszeichnung als Konzertsänger an der Guildhall School of Music & Drama in London führte. In der britischen Hauptstadt ist seither sein Lebensmittelpunkt.

Ganz prägend - und man glaubt, das beständig zu hören - waren seine Erfahrungen als letzter Privatschüler der Legende Dietrich Fischer-Dieskau bis zu dessen Tod 2012.

Nach Hombroich hatte Benjamin Appl jetzt ausnahmslos Vertonungen von Gedichten nach Joseph von Eichendorff mitgebracht - und Simon Lepper. Der gefragte Pianist und Professor für Liedbegleitung am Royal College of Music (London) war auch im Zeughaus dabei.

Beide Interpreten bildeten ein geistig ebenbürtiges Team, sowohl in Musikalität, Ausstrahlung und Präsenz, die auf der Raketenstation wegen der unmittelbaren Nähe zum Publikum besonders wirkungsvoll ist.

Aus der "Liederkreis op. 39" von Robert Schumann erfuhren vor allem "Waldesgespräch" unter die Haut gehende Dramatik, im Kontrast dazu die meditativ vorgetragene "Mondnacht" mit einem ebensolchen Nachspiel im Klavier. Bei Eichendorff-Vertonungen von Felix Mendelssohn wurden die feinen dynamischen Differenzierungen, etwa im "Nachtlied", noch verstärkt.

Benjamin Appls wohlklingender Bariton war trotz morgendlicher Stunde auch bei Johannes Brahms und Hugo Wolf in der Tiefe rund, in der Höhe von feiner Lyrik. Schön, dass das fachkundige Publikum in der Veranstaltungshalle auf der Raketenstation nur nach Zyklen applaudierte. Der Schlussbeifall war umso herzlicher.

(Nima)
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