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Neuss
Kriegsspuren werden Kunst und Klang

Neuss: Kriegsspuren werden Kunst und Klang
Erzählen mit Bildern und Klängen vom Zweiten Weltkrieg am Rhein: Fotograf Jan Lemitz (links) und Komponist Peter Gahn im Hansa 9. FOTO: Woitschützke
Neuss. Viele Städte der Rheinregion, auch Neuss, waren im Zweiten Weltkrieg Schauplatz bedeutender Operationen. Die Spuren sind heute noch zu finden. Dies inspirierte Jan Lemitz und Komponist Peter Gahn zu einer Ausstellung. Von Rudolf Barnholt

"De-escalating Skies" ist eine sehr, sehr ungewöhnliche Ausstellung - sie wurde gestern im Atelierhaus Hansastraße eröffnet: Der Düsseldorfer Fotograf Jan Lemitz hat mit seiner Kamera Schauplätze des Zweiten Weltkriegs ins Visier genommen, die Bedeutung erlangten, als es um die Rheinquerung ging.

So kam er nach Goch, Weeze und Neuss. Neben eigenen Fotografien sind auch andere Fotos zum Thema zu sehen. Und weil es Dinge gibt, Atmosphärisches zum Beispiel wie ein Rauschen, das der beste Fotograf nicht "einfangen" kann, hat sich Lemitz den Komponisten Peter Gahn mit ins Boot geholt. Die Ausstellung ist noch bis zum 24. September zu erleben. Im Rahmen der Kulturnacht wird es allerdings nur morgen Abend zwei interessante zusätzliche Programmpunkte geben.

Professor Peter Gahn doziert an der Hochschule für Musik in Nürnberg und ist unter anderem mit dem Stuttgarter Kompositionspreis ausgezeichnet worden. Der 47-Jährige studierte in Essen und Tokio. Für die Ausstellung hat er Klänge aufgenommen und weiter bearbeitet. Mit Jan Lemitz war er in ein Röhrenwerk von Mannesmann in Hamm gefahren, hat ein Mikrofon durch die Röhren geschoben, auf der Suche nach einem ganz bestimmten Geräusch. Am Flughafen von Weeze wurde das Startgeräusch eines Ferien-Fliegers aufgenommen und so beschleunigt, dass es nach einer Militärmaschine klingt. Diese Geräuschkomposition ist nur optional abrufbar: "Sie würde sonst zu viel Aufmerksamkeit auf sich lenken", sagt Peter Gahn, der übrigens wie Jan Lemitz in Düsseldorf aufgewachsen war - aufeinander gestoßen waren die beiden Künstler allerdings in Korea. Jan Lemitz studierte in Brighton Fotografie und machte anschließend den Master-Abschluss für Bildende Kunst an der University of London.

Was ihm bei der aktuellen Ausstellung wichtig ist: "Dass verschiedene Orte verknüpft wurde - Orte, an denen der Zweite Weltkrieg ablesbar ist." Sie erzählen von heftigen Kämpfen am Niederrhein nach der Rheinquerung, von Etappenstationen, die später von der Bundeswehr oder der Nato genutzt wurden wie die Raketenstation Hombroich auf Neusser Stadtgebiet. Geschichte werde durch diese Ausstellung auf verschiedenen Ebenen lebendig gemacht. So ist die Kerosin-Pipeline zwischen Goch und Weeze nicht sichtbar, aber hörbar. Um die Bilder und Geräusche ranken sich viele kleine Geschichten, die alle eine Gemeinsamkeit haben: Hier bei uns in der Region wütete mal ein erbitterter Krieg. So war die Autobahn bei Weeze als Notlandebahn für Flugzeuge konzipiert worden, ohne Grün- und Mittelstreifen, mit herausnehmbaren Leitplanken.

Zur morgigen "Kulturnacht" wird es zwei einmalige Programmpunkte an zwei unterschiedlichen Orten geben: Im Atelierhaus Hansastraße wird die Deutsche Kammerakademie Neuss am Rhein um 18 und um 20.30 Uhr Werke unter anderem von Brahms und Peter Gahn spielen. Von 17 bis 23 Uhr ist ein ganz besonderer Ort mit engem Bezug zum Krieg, genauer gesagt zum "Kalten Krieg" zu besichtigen beziehungsweise zu erleben: In den ABC-Luftschutzräumen unterhalb des Rathauses, Eingang 6, Michaelstraße, wird es Bild- und Klanginstallationen geben. Infos zu Jan Lemitz: www.lorisberlin.de/kuenstler.html, Peter Gahn: www.petergahn.de

Quelle: NGZ
 
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