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Neuss
Künstler erobern das Weltall

Neuss: Künstler erobern das Weltall
Melanie Richter und Kay Kaul zwischen einem Lichtobejkt von Kaul und der "Polymorphen Struktur" von Ekkehard Panek. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. In der Alten Post wird am Sonntag eine neue Ausstellung unter dem Titel "Orbital Explorer" eröffnet. Kuratiert ist sie von den Künstlern Kay Kaul und Melanie Richter, die dafür das Foyer des Hauses komplett umgestaltet haben. Von Helga Bittner

Mit dem Besucher kommt das Licht. Ob er im Dunkeln bleibt oder sieht, was da ausgestellt ist, hängt von seinen Bewegungen ab. Im schönsten Fall ist er allein in diesem Raum, der mal das Foyer der Alten Post war und nun der Weltraum ist und unendliche Weiten imaginiert. Doch nicht das Raumschiff Enterprise dringt dort in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen, will neues Leben und neue Zivilisationen erforschen - nein, es sind Melanie Richter aus Neuss und Kay Kaul aus Düsseldorf, die zusammen mit Künstlern ihrer Gruppe Spartnic das irdische Leben im All entdecken.

"Orbital Explorer" ist der Titel der neuen Ausstellung in der Alten Post, für die Kurator Klaus Richter, selbst auch Künstler, trocken konstatiert: "Ich arbeite nur mit Besessenen zusammen." Wie viele Stunden Richter und Kaul in die - im Sinne des Wortes - Umwandlung des Raumes gesteckt haben, lässt sich kaum zählen. Und Klaus Richter ist höchstpersönlich in die Eifel gefahren, um die "Polymorphe Struktur", die jetzt silbrig in der Ecke glänzt, aus dem Atelier von Ekkehard Panek nach Neuss zu holen, Markus Vater ist extra aus London gekommen, um in der ersten Etage der Alten Post sein filigranes Mobilé mit Texten und zeichnerischen Motiven zu hängen. Max Grüter, Birgit Jensen, Martin Kleppe und Mihoko Ogaki komplettieren die Riege der Spartnic-Künstler, die mit dem künstlerischen Ausflug zu den Sternen auch deutlich machen: "Die nächste Evolutionsstufe des Menschen führt ins All", wie Kay Kaul sagt. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Weltall und seinen Möglichkeiten, ist ein wandelndes Auskunftsbüro, wenn es darum geht, an Fotos und Informationen der Weltraumbehörden Esa und Nasa zu kommen.

Das Foyer haben Richter und Kaul komplett schwarz verkleidet. Auf dem Boden liegt Teerpappe, an den Wänden hängt Tuch, der Haupteingang hat eine goldsilbrige Lichtschleuse, die Exponate bleiben im Dunkeln, bis sie dank eines Bewegungsmelders erleuchtet werden. Das strahlt auch auf die gemalten, so fremd und doch so nah wirkenden "Kometen" von Melanie Richter aus. Martin Kleppes von innen beleuchtete Skulptur aus Gussbeton könnte ein Roboter sein oder eine Raumkapsel, aus der gleich Außerirdische springen. Kauls Lichtobjekt an der Wand ist dunkel ein tristes Bild, erleuchtet saugt es den Blick ein: "Jeder Punkt ist eine Galaxie", sagt er, "etwa 13,2 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt." Ein wahres Bild aus dem All, denn Kaul verarbeitet Fotoaufnahmen wie dieses vom Teleskop Hubble ebenso wie von Esa- und Nasa-Astronauten. Auch sein Video auf dem Boden ist aus Originalaufnahmen aus der Kuppel der Weltraumstation ISS zusammengestellt.

Alle Arbeiten sind wie ein Parcours eingerichtet, werden beleuchtet zu einem eigener Stern in einem Raum, dessen Grenzen von der Dunkelheit aufgelöst werden. Das schärft die Wahrnehmung. Und wie sehr, wird vor allem dann spürbar, wenn es zurück ins richtige Licht geht. In die erste Etage, wo jeder der insgesamt acht Künstler noch mit einer Arbeit vertreten ist, die zwar erkennbar den Bezug zu "Orbital Explorer" herstellt, aber nicht mehr losgelöst von Zeit und Raum, sondern fest im Hier verankert ist.

Dann ist es so, wie Kay Kaul es prophezeit hat: "Wenn wir den Blick mal nicht nach unten, sondern nach oben richten, ändert sich auch die Wahrnehmung dessen, was vor unserer Nase liegt."

Die Ausstellung wird am Sonntag um 11.30 Uhr eröffnet, sie läuft bis 9. Juli. Ein "Misssionpad" wie bei der Nasa gibt es in der Alten Post übrigens auch: für 4,50 Euro und zum Aufnähen.

Quelle: NGZ
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