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Neuss
Künstler-Klub für Flüchtlingskinder in der Alten Post

Neuss. "Kunst ist Kommunikation", sagt Anke Jüngels (42). Die Düsseldorfer Künstlerin ist sich sicher: Wenn es eine Sprachbarriere gibt, dann kann diese übers Zeichnen leicht genommen werden. Deswegen haben sie und ihre Neusser Künstlerkollegin Claudia Ehrentraut (47) für Flüchtlingskinder den "Art and Cultural"-Club ins Leben gerufen. Er trifft sich jeden Montag in der Alten Post, wo sich Kinder zu vorgegebenen Themen zwanglos auf Leinwand ausleben können. "Viele Kinder malen Deutschlandflaggen. Sogar in Herzchenform", sagt Anke Jüngels. Das sei als Zeichen ihrer Dankbarkeit zu lesen, dass sie nach schweren Zeiten des Bürgerkriegs und der schwierigen Flucht nach Europa endlich wieder Kind sein können.

Der Talentierteste sei Achmet. Der Junge aus Syrien schafft es, in wenigen Pinselstrichen eine ganze Landschaft darzustellen, und setzt sich darin in Szene, wie er an einem leise vor sich hin schlummernden Fluss nach Fischen angelt. "Die Kinder sollen Techniken kennenlernen, aber gleichzeitig auch die Kunst und Kultur hierzulande erleben können", sagt Jüngels. Das sei für eine gelungene Integration vorteilhaft. Im obersten Stockwerk der Alten Post hantieren die Kinder deswegen eifrig mit Farben und Stiften, modellieren Skulpturen aus Ton oder Holz. Alles kostenfrei.

Das Projekt hatte eine lange Vorlaufzeit. Schon vergangenes Jahr begannen Jüngels und Ehrentraut mit der Planung. In Kooperation mit der Alten Post und dem Kulturamt Neuss wurde es schließlich festgezurrt. Finanziert wird es durch das NRW-Projekt "Kulturrucksack". Da dieser vom Gesetzgeber nur für Kinder zwischen zehn und 14 Jahren ausgelegt ist, beim Cultural Club aber Kinder jeden Alters eingeladen sind, ergibt sich bei der Finanzierung ein kleines Problem. Das Kulturamt der Stadt Neuss hat jedoch bereits Hilfe zugesichert, sollte es Finanzierungsprobleme geben. "In diesem Fall wird das Kulturamt einspringen und die Förderung dann direkt übernehmen", sagt Günther Schädlich vom Kulturamt.

Die Kinder trafen sich zu Beginn vormittags. Da hätten wenige Kinder Zeit, weshalb der Treffpunkt auf den Nachmittag verlegt wurde. Seit dem 2. Mai beginnt der Club um 16 Uhr. "Wir wollen noch mehr Kindern die Möglichkeit geben, teilzunehmen", sagt Jüngels. Platz gebe es genug. Die beiden Künstlerinnen könnten ohne Not 20 und mehr Kinder betreuen. "Wir hoffen, dass sich das Projekt weiter rumspricht."

(KT)
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