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Neuss
Kulturausschuss vertagt Beschluss über Schenkung des Römermodells

Neuss: Kulturausschuss vertagt Beschluss über Schenkung des Römermodells
Heinz Birkenheuer (80) vor seinem Modell, das an der Humboldtstraße zu finden ist. FOTO: woi
Neuss. Heinz Birkenheuer hat das Modell des castrum novaesium vor mehr als 25 Jahren begonnen. Heute gilt es in vielen Teilen als wissenschaftlich überholt.

Was für die Kulturverwaltung klar zu sein schien, war den Politikern zu riskant. Auf Antrag der SPD vertagte der Kulturausschuss den Beschluss über die Annahme der Schenkung des Römerlagers, das Heinz Birkenheuer Ende der 1980er Jahre nach den damaligen Ausgrabungserkenntnissen zu bauen begonnen hatte, bis einige für die Politik noch nicht geklärte Fragen beantwortet werden können. Die SPD wie auch die anderen Parteien sahen noch zu viele Unwägbarkeiten, die am Ende doch zu einem "finanziellen Schaden der Stadt" führen könnten, wie Hartmut Rohmer (SPD) es sagte.

So gibt es auch laut Kulturverwaltung nur die Zusage für eine kostenfreie Aufstellung in den Räumen an der Humboldtstraße seitens Birkenheuer, der dort schon seit einigen Jahren regelmäßig Führungen anbietet. Mit dem Besitzer selbst hatte wohl noch niemand sprechen können, sagte Kulturdezernentin Christiane Zangs. Sie hatte bei der Suche nach Räumlichkeiten vor allem Absagen bekommen, auch vom Clemens-Sels-Museum. Zangs warb um Verständnis dafür, dass das Museum die Anlage nicht aufnehmen könne und wolle. Der Grund liege auch in den mittlerweile wissenschaftlich überholten Erkenntnissen, nach denen das Modell heute in vielen Bereichen nicht mehr stimmig sei. Der Archäologe des Museums, Carl Pause, untermauerte dies mit einem Bildervortrag.

Heinz Birkenheuer weist dagegen die Darstellung, sein Modell sei wissenschaftlich mangelhaft, entschieden zurück. Er vermutet, dass seine Rekonstruktion kritisiert wird, weil er eine "nicht autorisierte Privatperson" ist, der keine wissenschaftlichen Fähigkeiten zugestanden würden. "Grund für die Einstellung der Archäologen könnten nicht ausreichende Kenntnisse zum Fachbereich ,Konstruktive Archäologie' sein", sagt der 80-Jährige.

Die Kulturpolitiker jedenfalls möchten erst noch konkrete Antworten über die kostenfreie Aufstellung und die Betreuung des Modells bekommen. Dass Ehrenamtler dafür eingesetzt werden sollen, reicht ihnen nicht, ohne zu wissen, woher diese kommen könnten.

(hbm/jasi)
 
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