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Serie Neusser Räume
Kunst in Atombunker und Nudelfabrik

Serie Neusser Räume: Kunst in Atombunker und Nudelfabrik
Frank Strobl verwaltet die Kunstsammlung der Stadt Neuss, die in einem Bunkerraum unter dem Rathaus deponiert ist. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Ein ehemaliger Atombunker und eine historische Nudelfabrik - heute stehen sie im Dienste der Kunst. Am Samstag sind sie Ziel der nächsten Führung "Neusser Räume", zu der NGZ und Neuss Marketing einladen.

Neuss (NGZ) Nutzungskonzepte ändern sich. Glücklicherweise. Als das Neusser Rathaus Ende der 1980er Jahre umfangreich erweitert wurde, waren jene zehn kleinen Räume im Untergeschoss als Zufluchtsort im Falle eines Atomangriffs gedacht. Heute dienen sie weitaus friedlicheren Zwecken. Hier ist auf etwa 600 Quadratmetern Fläche ein Teil der Kunstsammlung der Stadt Neuss untergebracht. Das städtische Atelierhaus an der Hansastraße wiederum fungierte anfänglich als Produktionsstätte für Teigwaren.

Zwei ungewöhnlichehochspannende "Neusser Räume", die Christian Weber vom Neusser Kulturamt Interessierten bei der Führung am kommenden Samstag näher bringt und die aufregende Fotomotive bieten dürften. Mitten im Neusser Hafen bietet das Städtische Atelierhaus 28 Künstlern nicht nur Arbeitsräume, sondern auch die Gelegenheit, in regelmäßigen Abständen Ausstellungen zu präsentieren. So zeigte dort die Malerin Jennifer López-Ayala ihr Werk aus 20 000 zerbrochenen Eierschalen.

Seit einigen Tagen sind Arbeiten von Heike Schwegmann zu sehen. Die Neusser Künstlerin, Meisterschülerin von Professorin Mechtild Frisch, öffnet wie einige weitere ihrer Kollegen für die "Neusser Räume"-Tour am Samstag ihr Atelier und wird auch selbst anwesend sein. Errichtet wurde das Gebäude im Jahr 1927 als "Neußer Nudel- und Stärkefabrik Pet. Jos. Schram", bis 1963 wurden hier Teigwaren hergestellt. Später mietete die Firma 3 M die Räumlichkeiten für Verwaltungsbüros und Laboratorien an.

Kurz nach der Jahrtausendwende, als das Gebäude leerstand, wurde das Neusser Kulturamt auf den Komplex aufmerksam. "Der Bedarf an Künstlerateliers war da", erinnert sich Christian Weber. In die sanierten und restaurierten Räumlichkeiten zogen Künstler aus Neuss und Umgebung. Außerdem richtete die Deutsche Kammerakademie einen ständigen Proberaum ein. Ähnlich faszinierend ist die Geschichte des Rathauskellers, der das Kunstdepot der Stadt beherbergt.

Bereits seit 1949 kauft die Stadt Werke Neusser Künstler - "aus Gründen der Dokumentation sowie der Förderung", wie Christian Weber erklärt. Der größte Teil der rund 1300 Werke jedoch hängt leihweise in den Büros städtischer Mitarbeiter und im Besucherbereich der Ämter. Werken von Josef Kohlschein, Max Clarenbach, Jakob Weitz, Melanie Richter, Stefan Kürten und Marga Groove-Markovic befinden sich im Depot, das ehrenamtlich von Frank Strobl betreut wird.

Dazu kommen Reliefs von Josef Neuhaus, dessen Skulpturen wie das Stadteingangszeichen im Neusser Hammfeld im öffentlichen Neusser Raum zu finden sind, sowie Gemälde der früh verstorbenen Veronika Otten - einige Werke sind zurzeit für eine Ausstellung in der Christ-König-Kirche am Berliner Platz entliehen. Bis Oktober laden Neuss Marketing und NGZ im Rahmen der Reihe "Neusser Räume" alle zwei Wochen zu Aktiv-Touren ein, um den Neussern ihre Stadt unter ungewohnten Blickwinkeln näher zu bringen.

Ziele sind interessante Institutionen und markante Gebäude, die Viele auf diese Weise nicht kennen und bei denen sich ein Blick hinter die Kulissen lohnt - immer geführt von Kennern des jeweiligen "Neusser Raums". Die Teilnehmer sind aufgerufen, nicht nur passive Zuhörer zu sein, sondern aktiv bei einem Foto-Wettbewerb mitzumachen.

Quelle: NGZ
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