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Neuss
Kunstwerke im Miniaturformat

Neuss. Zum zweiten Mal fand die Briefmarkentauschbörse bei Zülow statt und lockte Sammler aus dem ganzen Kreis. Von Vera Straub-Roeben

Horst Heuter nimmt die Lupe zur Hand und schaut sich das Objekt der Begierde genau an. "Heute bin ich noch nicht fündig geworden", sagt er mit Blick auf seine Liste, die sich mit den Briefmarken der DDR befasst - die preiswerteren Exemplare hat er mit dem Textmarker gelb markiert. Stolz ist er hingegen auf einen Schatz in seiner Sammlung: "Ich habe Großbogen, aus denen Briefmarkenheftchen hergestellt werden. Sie sieht man so sehr selten." Der Reuschenberger hat vor allem fehlerhafte Exemplare, die für Sammler noch wertvoller sind - und etwa das sechsfache bringen können, würde man sie verkaufen. Heuter sammelt seit 1960 Briefmarken, 20 Jahre war er alt, als ihn die "kleinen Kunstwerke" in ihren Bann gezogen haben. "Ich habe in Bonn studiert und kam gut an die Bundesausgabe." Heute zählen schätzungsweise an die 40.000 Briefmarken zu seiner Sammlung, eine stattliche Zahl.

An allen Tischen im Saal werden Sammelalben durchblättert, einzelne Raritäten mit der Lupe genauer ins Visier genommen. "Es hat jedoch jeder nur die Marken mitgebracht, die er auch tauschen möchte", erklärt Wilhelm Müller, 1. Vorsitzender der Briefmarkenfreunde Neuss, die die Tauschbörse veranstalten. "Die wahren Schätze bewahren wir alle in einem Tresor oder Schließfach auf. Es wäre zu gefährlich, sie zu Hause aufzubewahren", sagt er. Leider fehle den Briefmarkenfreunden, die inzwischen nur noch 30 Mitglieder haben, der Nachwuchs. "Dabei ist es so ein spannendes Gebiet: Wir lernen Kultur und Länder und ihre Historie kennen - und das alles über die Briefmarken. Das bildet enorm."

Gegen Geld werden die Briefmarken bei der Tauschbörse selten getauscht. Es zählt eher, das noch fehlende Exemplar zu finden. "Ob am Ende alle glücklich und zufrieden nach Hause gehen, wird sich zeigen", so Müller, der stolz sein Stempel-Album zeigt. Die Briefmarkenfreunde haben vier Sonderstempel selbst herausgebracht, zuletzt zur Tour de France im Juli. Und Schatzmeister Franz-Josef Schäfer, der sich auf Kanu und Radfahren spezialisiert hat, zeigte dazu einen Auszug aus seiner Sammlung - die komplette hätte im Foyer des Rathauses keinen Platz gehabt. "Als Ur-Nüsser tun wir etwas für unsere Stadt."

Quelle: NGZ
 
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