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Neuss
Lachnummer - und stolz drauf

Lachnummer - und stolz drauf
Neuss. In einem Fachwerkhaus an der Weingartstraße treffen sich zweimal im Monat Menschen, um ohne Grund zu lachen. Ein Selbstversuch. Von Simon Janssen

Als ich den kleinen gelben Sandsack mit dem aufgedruckten Smiley zugeworfen bekomme, bin ich überfordert. Ich soll die Vokale meines Vornamens lachen. Ich stehe im Kreis mit fremden Menschen, die mich erwartungsvoll anblicken. "Sihihimohohon", quäle ich aus mir heraus. Die Runde lacht verhalten. Ich werfe den Sandsack so schnell weiter, als wäre er glühend heiß. Normalerweise fällt mir das Lachen leicht, nicht so an diesem Abend.

Vom Lachyoga hörte ich vor wenigen Wochen zum ersten Mal. "Mit Lachen zum Erfolg" versprach der Flyer großspurig. "Wär doch gelacht", dachte ich mir und meldete mich für einen Selbstversuch an. Am kommenden Samstag ist schließlich Weltlachtag. Da kann ein bisschen Vorabtraining nicht schaden, um die nötigen Muskeln aufzuwärmen.

Ich lache gerne und viel. Auch über flache Kalauer, die anderen Menschen die Schamesröte ins Gesicht treiben. Fips Asmussen ist ein Held, Otto ein Kindheitsidol. Aber Lachen auf Kommando, das war mir bis heute neu.

In der obersten Etage eines Fachwerkhauses an der Weingartstraße laufen Menschen auf Socken umher und halten sich die Bäuche. "Ha Ha Ha Ha, Ho Ho Ho Ho", hallt es durch den gut beheizten Raum. Alle sind per du. In der Ecke steht eine Buddhafigur, an einer Wand hängt eine leuchtend gelbe Smiley-Fahne. Auch auf einem umherfliegenden Luftballon ist ein breit grinsendes Gesicht abgedruckt. Gisela Dombrowsky lacht am lautesten. Sie ist Lachyoga-Trainerin und wenn man so will, die Vorlacherin. Ihr geht es vor allem um den gesundheitlichen Aspekt. "Die Übungen sind gut für Herz und Kreislauf", sagt die Neusserin, die an diesem Tag extra die Smiley-Socken aus dem Schrank geholt hat. Vor Jahren - als sie noch als Bankangestellte tätig war - hat sie händeringend nach Entspannungsmethoden gesucht. "In einer Bank vergeht einem schon mal das Lachen", sagt sie.

Sie entdeckte das Lachyoga für sich, das im Jahr 1995 von dem indischen Arzt Dr. Madan Kataria und seiner Frau Madhuri entwickelt wurde. Ihre Ausbildung zur Lehrerin machte sie 2006. Die Lachyogagruppe in Neuss leitet sie seit rund acht Jahren.

Nach der Vorstellungsrunde geht es weiter mit den nächsten Übungen. Augen zu und durch, denke ich mir und mache sie alle mit. Ich drehe meinen Kopf abwechselnd nach links und nach rechts, um "mit den Schultern zu lachen", wie Gisela Dombrowsky sagt. Wir stapfen über den Boden, machen Affengeräusche, klopfen uns auf die Brust, bilden eine Menschenschlange und wackeln als Pinguine durch den Raum - begleitet von einem lauten "Hi Hi Hi Hi Hi". Mittlerweile habe ich Schweißperlen auf der Stirn. In dem Raum wird es immer heißer. Zwischendurch wird gelüftet. Ich lerne, dass Lachen ein Knochenjob sein kann. Den macht Heidi Marona schon seit rund fünf Jahren. "Als ich zum ersten Mal davon hörte, dachte ich mir ,Was soll der Quatsch? Dann habe ich mich drauf eingelassen und bin dabei geblieben", erinnert sich die 62-Jährige, die die Lachübungen bereits erfolgreich gegen Knieschmerzen eingesetzt hat.

Kurz vor dem Ende stecken wir uns noch ein symbolisches Lachen in die Hosentaschen, um es jederzeit herausholen zu können. Ich frage mich, wie das Frauen machen, die Röcke tragen. Auf der Rückfahrt ist mir zwar nicht mehr nach Lachen zumute - dafür sind meine Schulterverspannungen weg.

Quelle: NGZ
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