| 00.00 Uhr

Neuss
Lajos Dudas kommt gern nach Neuss

Neuss. Das Quartett des einst in Neuss lebenden Klarinettisten begeistert in der Alten Post mit zwei Stunden Weltmusik. Von Volker Koch

Wer beim Stichwort "Lajos Dudas Quartet" betulichen Altherren-Swing erwartet hatte, war möglicherweise enttäuscht. Vielleicht war das der Grund, warum nach der Pause ein paar Stühle leer blieben in der ansonsten so gut wie ausverkauften Alten Post. Wer hingegen gekommen war, um einen großen und großartigen Musikabend zu erleben, war beim zweiten Konzert der "blue in green"-Reihe genau richtig.

Es gab, natürlich, viel Jazz. Es gab Weltmusik, es gab Tango, es gab einen wunderbaren "Urban Blues", freie Improvisationen und eine Operettenmelodie von Franz Lehár. "Mein Gott, was für ein Durcheinander", mag der ein oder andere jetzt denken. Doch der macht die Rechnung ohne die vier exzellenten Musiker, die (fast) jedes Stück zu einem Hörerlebnis werden ließen, dessen Ende meist viel zu schnell kam. "Manches hat nicht geklappt, aber das hat keiner gemerkt", sagte Lajos Dudas hinterher mit verschmitztem Lächeln.

Für den 74-Jährigen, der seit einem Jahrzehnt am Bodensee wohnt, bedeutete der Auftritt in seiner einstigen Wahlheimat etwas Besonderes: "Das ist wie nach Hause kommen, schließlich habe ich hier 30 Jahre gelebt", sagt Dudas, um mit der ihm eigenen Unbescheidenheit anzufügen: "Manche sagen, ich hätte die Neusser Musikszene beeinflusst. Auf jeden Fall hatte ich hier ein paar talentierte Schüler."

Mit dem wohl talentiertesten spielt er seither zusammen. "Mein Musterfreund", sagt er über den 28 Jahre jüngeren Philipp van Endert. Anfangs habe er ihn gefördert, doch das habe der 45-Jährige inzwischen nicht mehr nötig: "Er ist so ein großartiger Gitarrist geworden." Wie großartig, zeigt nicht zuletzt seine Doppelrolle im "Lajos Dudas Quartett": Erst spielt er die Bassläufe, um ihnen dann elektronisch gesampelt seinen unverwechselbaren Gitarrensoli zu unterlegen, die mit Dudas' Klarinette in einen kongenialen Dialog treten. "Das ist ein bisschen stressig, aber es macht riesig viel Spaß", sagt Philipp van Endert.

Der seinem Lehrmeister zu Ehren von seiner Maxime abwich: "Eigentlich möchte ich in meiner eigenen Reihe nicht so oft selbst auftreten, aber der Termin mit Lajos bot sich einfach an." So kamen die Neusser in den eher seltenen Genuss, die beiden im Zusammenspiel mit den Schlagwerkern Kurt Billker (dr) und Jochen Büttner (pc) zu erleben. "Wir spielen nicht so oft Quartett, denn ein Quartett kostet viel Geld", sagt Dudas, einmal mehr verschmitzt lächelnd, über die raren Gelegenheiten, die Vier im vollen Sound zu genießen.

Was schade ist. Allein, was Jochen Büttner beim fünfminütigen Intro zu "Bagpiper" mit seinen Gongs anstellte, hat man in der Alten Post selten gehört. Von Kurt Billkers unaufgeregtem Trommeln braucht nicht weiter erzählt werden - dem Dormagener könnte man stundenlang zuhören, ohne dass es einem wie bei anderen Drummern langweilig wird. Über allem, aber keineswegs dominierend, thront Dudas' Klarinette, mal lyrisch, mal wehklagend, mal fröhlich keckernd - wie der Mann, so seine Musik: lebhaft, oft verschmitzt und mit einem leichten Augenzwinkern. "Damit sie nach all den schrägen Tönen mit etwas Schönem nach Hause gehen", sagt Dudas, gab's zum Abschluss Franz Lehár.

Und mit einem leicht verfremdeten "Take five" als Zugabe entließ uns der Grandseigneur, dessen grüne Socken farblich perfekt zum Mundstück seiner Klarinette passten, wunderbar gestimmt in einen wunderbaren Vorsommer-Abend - mit ein bisschen Altherrenswing, aber keineswegs betulich.

Quelle: NGZ
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Neuss: Lajos Dudas kommt gern nach Neuss


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.