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Neuss
Landrat warnt vor Einbruchsmethoden

Neuss: Landrat warnt vor Einbruchsmethoden
Landrat Hans-Jürgen Petrauschke führt vor, wie Einbrecher mit einem einfachen Schraubenzieher Fenster aufhebeln. FOTO: Lothar Berns
Neuss. Technische Sicherungen sowie aufmerksame Nachbarn sind der beste Schutz, sagt die Polizei und startete gestern eine Aktionswoche. Von Susanne Genath

Es dauert nur ein paar Sekunden und wenige Ansätze mit dem Schraubenzieher, schon ist das eigentlich verschlossene Fenster offen - leichte Arbeit für jeden Einbrecher. Und für jeden, der sich selbst einmal als Einbrecher versuchen will. Denn am Infomobil der Kreispolizei werden sowohl schlecht als auch gut gesicherte Fenster vorgeführt. Polizeichef Hans-Jürgen Petrauschke machte gestern in der Neusser Innenstadt als einer der ersten den Test an dem Modell - und kam bei dem gut gesicherten Fenster denn auch nicht weiter.

Einbrüche in NRW 2014 – Daten und Fakten FOTO: Ferl

"Es ist wichtig, dass sich die Bürger aktiv und passiv schützen", erklärt der Landrat. Neben speziellen Riegeln und Stahlbändern an Fenstern und Türen gehöre dazu eine aufmerksame Nachbarschaft. "Gut gesicherte Etagentüren helfen nur zum Teil, wenn man immer sofort die Tür aufdrückt, ohne vorher über die Gegensprechanlage nachzufragen, wer geklingelt hat."

Marion Grippo schaut sich interessiert die Vorrichtungen an. "Eine Nachbarin wurde bereits Opfer von Einbrecherinnen, zwei jungen Mädchen", erzählt die 65-Jährige. Nun habe sich die Nachbarin eine Querstange vor die Tür setzen lassen. "Die hat allerdings 250 Euro gekostet. Wer nur eine kleine Rente hat, kann sich das nicht leisten." Sie achte aber auf ihre Umgebung und auf ungewöhnliche Geräusche. "Wenn etwas verdächtig wäre, würde ich sofort die Polizei rufen."

So schützen Sie sich vor Wohnungseinbruch

Das wünschen sich auch die Beamten. "Uns ist es lieber, wir werden einmal zu früh als einmal zu spät gerufen", sagt Kriminaldirektor Hans-Werner Winkelmann. "Denn die dunkle Jahreszeit steht bevor, und dann werden auch die Einbrüche in der Dämmerung zunehmen, vor allem in Wohnungen im Souterrain, Erdgeschoss, Hochparterre, aber auch in Dachgeschosswohnungen."

Ein älteres Ehepaar erkundigt sich nach Sicherungen für Terrassentür und Fenster. "Wir ziehen jetzt in eine Erdgeschosswohnung und wollen wissen, was wir tun können, um uns zu schützen", erklärt der Mann. "Gucken Sie sich die Wohnung doch genau an und kommen sie dann zu uns in die Beratung", schlägt Kriminalhauptkommissar Heinz Hellwig. Neben Einzelberatungen bietet die Polizei in der Behörde an der Jülicher Landstraße auch Gruppenberatungstermine an.

"Effektive Nachrüstungen von Fenstern sind ab 40 Euro möglich", sagt Hellwig. Jeder Riegel, der auf einen Rahmen gebohrt werde, müsse jedoch mit dem Vermieter abgeklärt werden. "Das ist ein Eingriff in die Gebäudesubstanz. Allerdings sind die meisten Vermieter einverstanden, wenn die Sicherungen fachmännisch angebracht werden." Wichtig sei außerdem, Fenster und Türen nie auf Kipp stehen zu lassen.

Das bedeuten die Gaunerzinken FOTO: RPO

Passend zur Aktionswoche "Riegel vor!" haben die Kreispolizei und der Neusser Bauverein eine Kooperation vereinbart, um die Sicherheit in den Bauvereinswohnungen zu erhöhen. Die Beamten stehen hierfür mit technischen Tipps zur Seite, berichtet Frank Lubig, Vorstandschef der Neusser Bauverein AG. Zudem werde man bei der Modernisierung von Wohnungen sowie bei der Planung neuer Viertel neueste wissenschaftliche Erkenntnisse sowie aktuelle Entwicklungen bei der Kriminalitätsbekämpfung berücksichtigen, "so dass beispielsweise erst gar keine Angsträume entstehen".

Quelle: NGZ
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