| 00.00 Uhr

Neuss
Langer Beifall für ein makelloses Orgelspiel

Neuss. Josef Still, Domorganist in Trier, konnte endlich ein Konzert beim Orgelsommer einrichten.

Nach etlichen Versuchen hat es nun endlich geklappt, den Trierer Domorganisten Josef Still zum Orgelsommer nach Neuss zu holen. In seiner Begrüßung verglich Münsterkantor Joachim Neugart das Alter beider Städte und ließ Trier dabei den Vortritt: "Wir Neusser sind immer tolerant. Dafür haben wir die ältere Orgel." Die Seifert-Orgel im Münster stammt von 1907.

Tatsächlich ist der Trierer Dom die älteste Kirche nördlich der Alpen, die sogenannte Schwalbennest-Orgel wurde von der Firma Klais 1974 gebaut. Josef Still, 1959 in Niederbayern an der Donau geboren, ist seit 1994 in Trier der verantwortliche Organist und zugleich Orgelsachverständiger des Bistums. Seine umfangreiche Konzerttätigkeit, unter anderem beim "Trierer Orgelpunkt", hat bisher seinen Besuch in Neuss verhindert.

Nun also widmete er sich dem diesjährigen Thema "César Franck und seine Erben". Mit dessen "Zweite Choral in h-Moll" begann Josef Still, und sogleich wurde deutlich, dass sich der Domorganist bestens vorbereitet und mit den 86 Registern der Münsterorgel sehr vertraut gemacht hatte. Das im Bass beginnende Thema wird in allen Stimmen variiert, Josef Still nutzte dabei nahezu alle Farbnuancen des Instrumentes und registrierte vor allem den Schluss zu einer berührenden mystischen Fantasie.

Zwischen zwei kleineren Orgelwerken von César Franck, darunter das "Pastorale" (op. 19), spielte er ein "Offertoire a-Moll" eines seiner Vorgänger: Der Trierer Georg Schmitt war Domorganist von 1835 bis 1842 und wurde wegen versäumter Hochämter, verschlafener Vespern und zu weltlicher Musik fristlos entlassen. So ist es nachzulesen.

Nach Studium am Pariser Konservatorium erhielt er 1850 die Organistenstelle an Saint-Sulpice in Paris. Dort gehörte César Franck zu seinen Schülern, und in dieser Zeit wurde auch die bis heute unverfälscht erhaltene Cavaillé-Coll-Orgel gebaut, die zu den weltweit bedeutendsten Instrumenten gehört.. Dort entstand auch sein opulentes "Offertoire", eine beschwingte Mischung aus eher pianistischem Salonstil und romantischem Marsch.

Das blieb die heitere Seite des Konzertes, denn mit César Francks "Grande pièce symphonique in fis-Moll" zelebrierte Josef Still große symphonische Vielsätzigkeit. Erneut begleiteten attraktive Registerkombinationen sein makelloses Spiel, zart im liedhaften Andante, mit hymnisch vollen Akkorden zum Schluss, der in einem vierstimmigen Fugato endet. Der lange und herzliche Beifall musste Josef Still den Eindruck vermitteln: Neuss hat sich gelohnt.

Info Zum Schluss des Orgelsommers in St. Quirin spielt am Sonntag (20 Uhr) Thomas Dahl, Organist der Hamburger Hauptkirche St. Petri.

(Nima)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Neuss: Langer Beifall für ein makelloses Orgelspiel


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.