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Neuss
Lebensretter gesucht

Neuss: Lebensretter gesucht
Monika Prinz weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, wenn der "perfect match" gefunden wird. Die 46-Jährige, die als Gesundheitsberaterin bei Savita am JEK arbeitet, erkrankte 2012 an Lymphom-Krebs. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Die Tochter (3) eines JEK-Mitarbeiters braucht eine lebensnotwendige Stammzellspende. Bei der Typisierungsaktion warb auch Monika Prinz um Unterstützung für das Kind - die einst selbst die Krebsdiagnose erhielt. Von Bärbel Broer

"Wenn wir keinen Spender finden, wird dieses Mädchen womöglich sterben." Eindringlich forderte Monika Prinz gestern im Foyer des Johanna-Etienne-Krankenhauses (JEK) Mitarbeiter und Besucher auf, sich typisieren zu lassen. Denn für die drei Jahre alte Tochter eines JEK-Mitarbeiters wird dringend ein Lebensretter gesucht. Mitarbeiter der Anästhesiepflege hatten daher gemeinsam mit der Knochenmarkspenderzentrale Düsseldorf einen Stand im JEK aufgebaut und vor Ort die Typisierungsaktionen durchgeführt.

Binnen weniger Minuten waren die unterschiedlichen DNA-Proben erfasst. Einverständniserklärung unterschreiben, Mund auf, Wattestäbchen kurz über die Wangeninnentaschen reiben und schon war der Abstrich gemacht, der möglicherweise Leben retten kann.

Monika Prinz weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, wenn der "perfect match" gefunden wird. Die 46-Jährige, die als Gesundheitsberaterin bei Savita am JEK arbeitet, erkrankte 2012 an Lymphom-Krebs. An der Uniklinik Düsseldorf wurde sie mit Hochdosis-Chemotherapien behandelt. "Dabei wird das gesamte eigene System zerstört, um möglichst alle Krebszellen abzutöten", erklärt Prinz. "Bei dieser Therapie schaut man dem Tod ins Auge." Zwei bis drei Wochen später fange der Körper dann wieder an, Zellen zu bilden. Die Blutstammzellen, die ihr übertragen wurden, waren ihre eigenen. Ein Jahr lang galt sie als krebsfrei. "2014 war der verdammte Krebs aber wieder da", erzählt Prinz.

Zu dieser Zeit waren bereits bestimmte Medikamente in den USA zugelassen, hatten in Deutschland jedoch noch nicht alle bürokratischen Hürden genommen. Im Januar 2015 war Prinz unter den ersten Patienten, die diese Medikamente erhalten hatten. "Wäre mein Rezidiv zwei Monate früher zurückgekehrt, wäre ich wohl schon tot", sagt Prinz. "Ich kann nicht verstehen, warum solche Medikamente, die längst in anderen Ländern zugelassen sind, erst viel später in Deutschland verabreicht werden dürfen. Davon hängen Menschenleben ab", sagt die Mitarbeiterin der St.-Augustinus-Kliniken. Durch diese neue Medikation war es möglich, sechs Chemo-Zyklen auf eine Hochdosis-Chemo zu reduzieren.

Anschließend startete sie zwei große Typisierungsaktionen - eine davon ebenfalls im JEK auf der Suche nach einem Spender. Rund 500 neue Spender wurden dadurch erfasst. Nach einem halben Jahr wurde auch ein passender für Prinz gefunden. Im April 2015 wurde ihr die Stammzellspende übertragen. "Erst wenn dieses kleine Tütchen Blut durch die Adern fließt, kann man auch von einer Stammzellspende sprechen", so Prinz.

Wer ihr Spender ist, weiß sie nicht. Erst nach zwei Jahren - solange beträgt auch etwa die Stammzellenregeneration - könnten Empfänger und Spender sich kennenlernen, sofern der Spender einverstanden ist. Prinz würde ihm gerne persönlich danken: "Ich lebe - und das verdanke ich ihm."

Nach wie vor habe sie zwar mit extrem starken Nebenwirkungen zu kämpfen. Und sie weiß auch, dass ihr Leben nie wieder so sein wird wie vor der Krebsdiagnose. "Aber es ist auch erstaunlich, wie sehr man am Leben hängt und wie viele Kräfte man freisetzen kann."

Quelle: NGZ
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