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Neuss
Lehrreiches zur Sicherheitspolitik

Neuss. Karl-Heinz Kamp war Gast beim Neusser Forum der Adenauer-Stiftung. Von Reinhold Michels

Die Diskussion über Außen-und Sicherheitspolitik ist an die deutschen Küchentische zurückgekehrt. Das sagte der Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, Karl-Heinz Kamp, und er sagte es so, dass es sehr neu und obendrein bedrohlich klang.

Kamp, analytischer Mittelpunkt einer lehrreichen, gut besuchten Diskussionsveranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung im Landestheater, beschrieb, besser: er beschwor zwei große Krisenszenarien, welche unsere heile deutsche Welt seit etwa 2014 gefahrvoll erschüttern: zum einen den tiefen Konflikt des Westens mit Russland, das sich neuerdings offen als antiwestliche, nationalistische, slawisch-orthodoxe Macht aufführe, Grenzen (Krim) gewaltsam ändere und wieder wie einst im Kalten Krieg in politischen Einflusssphären denke. Zum anderen die weitreichenden Folgen des staatlichen Zerfalls in weiten Regionen des Mittleren und Nahen Ostens.

Für Kamp ist die Krise mit Putins Russlands nicht nur Ausdruck eines außenpolitischen Schlechtwettergebiets, sondern Zeichen eines grundsätzlichen Klimawandelns: "Die politische Ohnmacht bei der Krisenbewältigung trägt zum Gefühl vom Zeitenwechsel bei."

Der Neusser Bundesminister Hermann Gröhe (CDU) stieß beinahe so etwas wie einen Seufzer hervor, als er fragend auf die Auswirkungen der politischen Veränderungen verwies: "Sind die schönen Tage der politischen Gestaltung des Innenbereichs unserer Gesellschaft vorbei?" Und: "Wann steht erstmals eine unserer Metropolen auf der schrecklichen Datumsliste großer Terroranschläge?"

Kamp, Gröhe und auch Ludger Gruber von der Adenauer-Stiftung stellten allesamt ein sich immer stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit schleichendes Gefühl von Unsicherheit und damit verbunden ein Gefühl für die neue große Bedeutung der Außen- und Verteidigungspolitik fest.

Martin Kessler, Leiter der Politik- Redaktion unsere Zeitung, fasste als Moderator des "Neusser Forums" die wachsende Sorge der Landsleute bei gleichzeitiger Einsicht ins Unabänderliche prägnant so zusammen: "Es gibt kein Deutschland als große Schweiz." Nicht einmal mal ein unausgesprochenes "leider" war da anschließend herauszuhören. Die Deutschen mögen zwar nach einem alten Spott Heinrich Heines "Meister im Luftreich der Träume" sein. Aber - die Diskussion mit dem kundigen Publikum im Theater bewies es - jeder mit Gespür für die Weltläufe ahnt zumindest, dass wir mehr für unsere Sicherheit ausgeben müssen.

Quelle: NGZ
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