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Neuss
Leseprojekt für Flüchtlinge im "Alexius"

Neuss. Um die Vorschulkinder in der Neusser Erstaufnahme-Einrichtung in Kontakt mit der deutschen Sprache zu bringen, steht dort jetzt eine Medien- und Spielbox. Um Lesestunden sollen sich vor allem Ehrenamtler und Vereine kümmern. Von Oliver Burwig

Mit fester Stimme singt der siebenjährige Aksem das Alphabet-Lied - das "X, Y, Z" zwar schon merklich leiser als das "A, B, C", dafür aber ebenso fehlerfrei. Mit dem Lied bedankt er sich bei Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und Staatssekretär für Bildung, Thomas Rachel, für die Spiele, Bilderbücher und kindgerechten Lexika. Die sind Teil des bundesweiten Programms "Lesestart für Flüchtlingskinder" der "Stiftung Lesen", das diese in allen Erstaufnahme-Einrichtungen realisieren will, die Kinder unter zwölf Jahren und einen eigenen Raum für das gemeinsame Lesen und Spielen haben. Die Umsetzung sollen Freiwillige und Hauptamtler vor Ort übernehmen.

"Die Idee ist, dass die vielen Ehrenamtler und Menschen, die schon hier leben, gemeinsam mit ihnen lesen", sagte Rachel. Neben der Spiel- und Medienbox, die auch mit teils mehrsprachigen Bücher für ältere Kinder gefüllt ist, bekam die Unterkunft im Alexius-Krankenhaus für jedes Kind unter sechs Jahren ein "Wörterbuch" mit bunt bebilderten Szenen aus dem Alltag in Deutschland. "Sprache ist der entscheidende Schlüssel, um in Kontakt zu treten", betonte Gröhe die Wichtigkeit des Lese- und Sprachprojektes für junge Flüchtlingskinder. Momentan leben etwa 30 Kinder im Vorschulalter in der Unterkunft, noch einmal so viele im schulpflichtigen Alter. Das Programm könne ihnen dabei helfen, schnell zu "Dolmetschern der eigenen Eltern" zu werden und so die Integration ihrer Familie zu fördern, sagte Gröhe.

Das Projekt läuft über drei Jahre, jedes Jahr bekommt die Einrichtung neue Bücher und Spiele für ihre Box. Zusätzlich will die "Stiftung Lesen" bereits aktive Ehrenamtler zu Vorlese-Paten ausbilden. Diese sollen nach Seminaren auch sprachpädagogische Tipps an die Flüchtlingsfamilien weitergeben können. Auch die ortsansässigen Vereine - Gröhe nannte unter anderem "CareMigration" -, die sich schon "seit Jahrzehnten" für Migranten und Flüchtlinge und deren Bildung einsetzten, seien gefragt. Ehrenamtskoordinator Hans-Willi Hoogen erklärte zudem, dass auch die Pädagogen in den Einrichtungen "trotz aller Hektik" die Aufgabe hätten, die Flüchtlinge bei dem Sprachprojekt zu unterstützen.

Ziel des Ganzen ist laut Projektleiterin Melitta Göres von der "Stiftung Lesen" nicht, den Kindern komplett die Sprache beizubringen, sondern ihr in den Ohren der Flüchtlinge zunächst einmal das "Fremde" zu nehmen: "Es geht nicht nur darum, Deutsch zu sprechen, sondern auch um das Zuhören, Ausprobieren und Aufnehmen." Es sei schwierig, Lesematerialien zu finden, die sowohl inhaltlich dem Niveau der zum Teil bereits schulpflichtigen Kinder entsprechen als auch einen niederschwelligen Einstieg in die Sprache bieten. Daher sei es besonders wichtig, durch ehrenamtliche Vorleser, Lesepaten und Familie einen ersten Kontakt zwischen den Flüchtlingskindern und der deutschen Sprache zu schaffen. "Hier wird der Grundstein für eine erfolgreiche Integration gelegt", sagt Rachel.

Quelle: NGZ
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