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Neuss
Lesung und Musik zeichnen Bild von Heine

Neuss. Die Schauspielerin Judith Jakob rezitierte Heinrich Heine und Joachim Jezewski spielte Klavier. Von Jana Frehn

Zum zweiten Mal waren Judith Jakob und Joachim Jezewski mit einer musikalischen Lesung im Kulturkeller zu Gast - nun in der Reihe "Acoustic Concerts". Dieses Mal mit Texten von Heinrich Heine - von Jakob vorgetragen und von Jezewski am Klavier begleitet.

Schnell ziehen die beiden ihre Zuhörer in die Lebensgeschichte Heines ein, denn die Lesung ist chronologisch aufgebaut und beginnt mit Passagen aus Heines Kindheit und Jugend. Immer wieder untermalt Jezewski die Texte mit Melodien und Harmonien. So gibt der Klavierdozent einem Trommler, von dem Heine erzählt, eine rhythmische Stimme und der Frage "Wo soll ich hin?", die Heine als jungen Erwachsenen beschäftigt, zusätzliche Bedeutungsschwere.

Weil Heine seinerzeit die Alltagssprache lyrikfähig gemacht hat, sind seine Gedichte, Essays und Briefe gut verständlich und zudem mit einigen Anekdoten gespickt. Jakob trägt sie mit einer angenehmen Ruhe vor und weiß auch so manche Passage eindringlich und nachdenklich zu gestalten. Die freiberufliche Schauspielerin hat Heinrich Heine, der sein Leben lang an der Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich gearbeitet hat, bei der Vorbereitung einer deutsch-französischen Lesung für sich entdeckt und aus seinen Werken schließlich ein eigenes Programm zusammengestellt. Dabei orientiert sich die Textauswahl am politischen Heine, der zu Lebzeiten geschätzt und bekämpft wurde.

"Wir Dichter ergreifen keine Idee. Die Idee ergreift und knechtet uns." Ein Satz, der zeigt, dass Heine sich selbst nur halb so ernst nimmt. Und so fügen sich die Erzählungen von seinem Studium in Spandau, seinem Aufenthalt in Paris und der Normandie und seiner Rückkehr nach Deutschland zum Porträt eines Mannes mit Gefühlen, Gedanken und dem Eingebundensein in die äußeren Umstände in der Mitte des 19. Jahrhunderts zusammen.

Jezewskis trifft mit Schubert-Liedern den richtigen Ton, und Jakob gibt einigen Gedichten eine Melodie. Die Vielseitigkeit Heines unterstreicht sie, indem sie aus einigen, kurz vor seinem Tod entstandenen Dokumenten zitiert: aus dem Brief an einen Freund, in dem er voll Wehmut schildert, wie schwer es ihm fällt, durch eine Krankheit zur Untätigkeit verdammt zu sein; aus einem Vorwort, mit dem er sich von seinen Lesern verabschiedet und in dem er von einer "Fortdauer nach dem Tode" spricht; aus einem ironische Gedicht über sein Testament, in dem er seine Religion und seinen Vaterlandsrettungsplan verteilt. Heines bekanntestes Werk, das Lied von der Loreley, beschließt den Abend.

Quelle: NGZ
 
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