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Neuss
Letzte Hausbrauerei der Stadt

Neuss: Letzte Hausbrauerei der Stadt
FOTO: Woitschützke, Andreas
Neuss. Über 40 Alt-Brauereien gab es früher in der "Altbierhauptstadt" Neuss. Nur eine ist übrig geblieben: Die Brauerei "Im Dom". Seit 1601 wird dort nach altem Familienrezept gebraut. Bald soll es das Bier auch in der Flasche geben. Von Jascha Huschauer

Die Wiege des Altbiers steht in Neuss. Das hat der Archäologe Carl Pause schon vor drei Jahren nachgewiesen. "Neusser Brauer haben das heutige Altbier maßgeblich mitentwickelt", sagt er damals.

Schon 1339 sei in Neuss ein städtisches Brauamt nachgewiesen. "1502 wurden 2,7 Millionen Liter des so genannten Dünnbiers in Neuss gebraut", so Pause. Neuss war damals eine große Stadt und hatte das Grutrecht, also das Recht Bier zu brauen. 41 Brauereien taten das im 16. Jahrhundert. Zwischenzeitlich wurde in Neuss gar kein Altbier mehr gebraut. Doch dann lebte die Tradition wieder auf.

Nach einer kurzen Pause braut die Gaststätte "Im Dom" mitten in Neuss wieder nach altem Familienrezept. Inhaber Klaus Wiertz führt es in der achten Generation. Seit 1801 steht das Traditionslokal unter Führung seiner Familie. Wiertz will es nun als "zünftiges Brauhaus" wieder etablieren. Daher legt er viel Wert auf Regionalität. "Wir kaufen die vier Sorten Gerstenmalz alle in der Region", sagt Wiertz. Nur den Aromahopfen bezieht er aus Tettnang. Die Pflanze im Biergarten ist nur Deko. Auch die Speisekarte muss regelmäßig verändert werden, denn Wiertz ist es wichtig, Saisongerichte anzubieten.

Besonders stolz ist er auf die 40 Meter, die das Bier vom Wasserhahn bis zum Zapfhahn nur zurück legen muss. "Je weniger Bier bewegt wird, desto besser schmeckt es", sagt er. So kurz wie im Dom sei der Weg für Bier wohl nur selten. Etwa 100 Mal im Jahr wird in der Gaststätte an der Michaelstraße ein Sud nach eigener Rezeptur angesetzt, 100 Mal im Doppelsud-Verfahren 2000 Liter Dom-Alt gebraut.

Dom-Alt ist Naturtrüb, mit 4,9 Prozent Alkohol. Etwa sechs Wochen braucht das Bier, bis es fertig gereift ist. So lange wird es im fast vier Meter tiefen Keller gelagert. Insgesamt ist in dem denkmalgeschützen Gebäude Lagerkapazität für 40 000 Liter.

Wiertz bezeichnet den Dom als eine "Instituion". Dazu gehöre eine tiefe Verbundenheit zu den Schützen. Auch deswegen sei die Nachfrage nach Dom-Alt zu Schützenfest besonders hoch. Etwa 10 000 Liter werden am letzten August-Wochenende ausgeschenkt. Schon sechs Wochen werden die gebraut.

Mittlerweile kann Dom-Alt aber auch zu Hause genossen werden. Fässer gibt es zu kaufen, bald folgt die Abfüllung in Flaschen. Zum Zolltor hin soll dafür im Herbst eine Anlage und ein Straßenverkauf eingerichtet werden. "Wer abends spontan Lust auf ein Bier hat, kann dann schnell vorbei kommen", sagt Wiertz. Besonderheit: Geplant ist, dass man von der Bushaltestelle aus beim Abfüllen zusehen kann. "Das ist Heimat", sagt Klaus Wiertz.

Quelle: NGZ
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