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Neuss
Liebesbote für Menschen mit Handicap

Neuss: Liebesbote für Menschen mit Handicap
Björn Reinsch arbeitet als Sozialpädagoge, Sozialarbeiter und Sexualberater für Menschen mit Behinderungen bei der Schatzkiste und der Beratungsstelle für Partnerschaft, Sexualität und Familie unter dem Dach der St.-Augustinus-Behindertenhilfe im Rhein-Kreis. FOTO: Lothar Berns
Neuss. Björn Reinsch hilft in der "Schatzkiste" an der Bleichgasse 4 Menschen mit Behinderung bei der Partnervermittlung. Zuspruch und Erfolgsrate sind groß - rund Dreiviertel der Suchenden können vermittelt werden. Von Elisabeth Keldenich

105 Schätze ruhen derzeit in einer "Kiste" an der Bleichgasse. Dahinter verbergen sich 105 Menschen mit Behinderungen, die einen Partner oder eine Partnerin suchen. "Zu uns kommen Menschen aller Altersgruppen, von Jugendlichen ab 16 bis hin zu Senioren über 60 oder 70 Jahren", erzählt Björn Reinsch. Der Sozialpädagoge, Sozialarbeiter und ausgebildete Sexualberater für Menschen mit Behinderungen arbeitet seit zwei Jahren bei der Schatzkiste und der Beratungsstelle für Partnerschaft, Sexualität und Familie unter dem Dach der St.-Augustinus-Behindertenhilfe im Rhein-Kreis Neuss.

Seitdem die Schatzkiste im Mai 2013 ihre Arbeit aufgenommen hat, erfreut sie sich stetig wachsenden Zuspruchs. "Dreiviertel der Suchenden können vermittelt werden", sagt Reinsch zufrieden. Die Interessenten vereinbaren entweder per E-Mail oder Telefon einen Beratungstermin oder schauen während der offenen Sprechstunde spontan vorbei. Manchmal sind Eltern und gesetzliche Betreuer mit anwesend oder werden dazu geholt, wenn es sinnvoll erscheint.

Nach einem Gespräch erstellt Reinsch ein Profil, stellt es in eine Datenbank und sucht einen passenden Partner heraus. "Manche möchten auch einfach nur jemanden für die Freizeit finden", erklärt er. Wurde Reinsch fündig, verschickt er einen Brief und ein erstes Treffen findet im Café an der Bleichgasse statt. "Dann sind wir, meine Kollegin Gabriele Canjé und ich, als Ansprechpartner in der Nähe, falls das Kennenlernen mal stockt", erläutert er. Danach sind sie nicht mehr dabei. "Durch viele Rückmeldungen weiß ich, dass die Erfolgsquote hoch ist", sagt Reinsch nicht ohne Stolz. Er ist oft ein Vorbild für die Menschen mit Behinderungen, weil er selbst auf den Rollstuhl angewiesen ist. Das nehme die Schwellenangst, so Reinsch. Oft werde er gefragt, ob er eine Partnerin habe, erzählt er und bejaht lächelnd. Wie bei einer klassischen Partnervermittlung sind 70 Prozent der Suchenden Männer.

Parallel zur Schatzkiste werden die Angebote der Beratungsstelle für Sexualität, Partnerschaft und Familie für Menschen mit Behinderung ebenso oft und gern in Anspruch genommen. "Durch meine eigene Geschichte und die damit verbundenen Erfahrungen kann ich manch positiven Rat geben", sagt Reinsch und hat zudem die Möglichkeit, auf ein großes Netzwerk von Ärzten und Psychotherapeuten zurückzugreifen. "Es geht um alle Fragen rund um die Sexualität wie Verhütung und Kinderwunsch. Dabei leisten wir auch Angehörigenarbeit", erläutert er. Er ist auch für Flirttipps und die Klärung der Kleiderfrage zuständig - sein Arbeitsfeld, das er mit Herzblut ausfüllt, ist sehr breitgefächert. "Monatlich bieten wir auch ein Extra-Projekt für Männer- und Frauengruppen an. Außerdem gibt es einmal im Quartal eine Mottoparty zum Selbstkostenpreis in unserem Café", so Reinsch. Das Angebot der Schatzkiste ist kostenfrei, die Kosten für die Inanspruchnahme der Beratungsstelle werden gesondert abgerechnet.

Quelle: NGZ
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