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Neuss
Literarische Kaffeepause mit der NGZ bei "Neuss liest"

Neuss. Eigentlich gibt es am Ende von "Der Mann, der nie krank war" nichts mehr zu lachen: Protagonist Sam ist als Spion zum Tode verurteilt und fristet sein Dasein in einer Gefängniszelle, vollauf mit seinem Entwurf für die neue Oper in Bagdad beschäftigt. Und doch: "Man ertappt sich immer wieder dabei, wie man an einigen Stellen anfängt, zu schmunzeln, und bekommt dann ein schlechtes Gewissen", resümierte Lothar Schröder, Kulturredakteur unserer Zeitung, bei der gestrigen Kaffeepausen-Lesung von Arnon Grünbergs Werk im Service-Punkt der NGZ in der Mayerschen Buchhandlung. Von Laura Ihme

Es war die letzte nachmittägliche Lesung im Rahmen der diesjährigen Ausgabe von "Neuss liest". Mit seinen Worten sprach Schröder vielen Besuchern, die zum Teil schon seit der ersten Lesung aus dem Roman des niederländischen Autors regelmäßig bei den literarischen Kaffeepausen zu Gast waren, aus dem Herzen: Ob bei der Vorstellung, dass ein zum Tode Verurteilter, statt getröstet zu werden, selbst Verwandten, Freunden und sogar seinem Anwalt Trost spenden muss, oder bei so zynischen Aussagen wie: "Ich bin zum Tode verurteilt, ein Fernseher gehört da nicht zu meinen Prioritäten" - immer wieder brachten die Worte Grünbergs das Publikum trotz aller Traurigkeit der Handlung seines Romans zum Lachen.

Alwin Müller-Jerina, Leiter der Stadtbibliothek, die das Lesefestival organisierte, berichtete derweil von ganz unterschiedlichen Besucher-Reaktionen während der Lese-Nachmittage: "Alles war mit dabei: Ich habe Rückmeldungen bekommen, dass das Buch furchtbar sei. Andere haben dagegen gesagt, das sei das beste Buch gewesen, das sie in diesem Jahr gelesen hätten."

Genau diesen Effekt erhoffe er sich auch durch "Neuss liest": Diskussionen über Literatur, über Handlung und über Sprache. "Die Aktion ist ein Angebot für Sie allein", sagte er - und deutete an, dass es im nächsten Jahr wieder Lesungen zur Kaffeepause geben wird.

Quelle: NGZ
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