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Neuss
Logistiker wollen den Eisernen Rhein

Neuss: Logistiker wollen den Eisernen Rhein
Gesundheitsminister Hermann Gröhe (l.) war Schirmherr der Diskussion mit Bahnchef Rüdiger Grube (3.v.l.), Rainer Schäfer (2.v.r.) und Felix Fiege (r.), die Antje Höning (2.v.l.) in der Pegelbar moderierte. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Bahnchef Rüdiger Grube, Hafen-Geschäftsführer Rainer Schäfer und Logistiker Felix Fiege diskutierten in Neuss über die Zukunft der Logistik. Die brauche digitale Technik, aber auch weitere Transportwege wie den Eisernen Rhein. Von Andreas Gruhn

Das Wort Milliarden fällt oft, wenn es um das Thema Logistik geht. Wer etwas transportiert, braucht dafür auch die gut ausgebauten Wege - ob nun zu Wasser, auf der Straße oder auf der Schiene. Etwa drei Milliarden Euro werden Bahn und Bund in den nächsten fünf Jahren in das Schienennetz in NRW investieren. Die Bahn will 2000 Kilometer Schiene und 115 Brücken allein in NRW erneuern. Das kündigte Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG, am Samstag in Neuss an. Grube war neben Logistiker Felix Fiege und Rainer Schäfer, Geschäftsführer der Neuss-Düsseldorfer Häfen, Gast bei den "Neusser Gesprächen" der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Pegelbar. Thema der von Antje Höning, Leiterin der Wirtschaftsredaktion unserer Zeitung, moderierten Runde war die Zukunft der Logistik.

"Bei Logistik geht es heute nicht mehr nur um Transport, Logistik ist Bestandteil der Wertschöpfung", sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), Schirmherr der Veranstaltung. "Die Straßen, Schienen und Wasserwege sind die Lebensadern dieses Raumes." Die Weltbank habe im internationalen Vergleich Deutschlands logistische Leistungsfähigkeit auf Platz eins bewertet. Ob das so bleibt, liegt am Erhalt und Ausbau der Infrastruktur.

Hafenchef Rainer Schäfer rechnete vor, dass der Seehafen-Hinterlandverkehr bis 2025 zu Wasser um bis zu 15 Prozent zunehme, auf den Schienen liegt der geschätzte Zuwachs bei bis zu 50 Prozent und auf der Straße bei bis zu 60 Prozent. "Bis 2030 fehlt eine Kapazität von 180 Zügen am Tag von den Seehäfen in die Region. Der Eiserne Rhein könnte dies auffangen", sagte Schäfer.

Eiserner Rhein : Hintergründe und Fakten

Der Eiserne Rhein - die seit Jahrzehnten diskutierte Güterstrecke von Antwerpen nach Duisburg - löst seit jeher leidenschaftliche Diskussionen in der gesamten Region aus. "Wenn es nach uns ginge, würden wir den Eisernen Rhein sofort umsetzen", sagte Grube. "Aber erstmal müssen sich die Länder Deutschland, Niederlande und Belgien einigen." Grube warnte davor, Proteste würden wichtige Großprojekte wie etwa Stuttgart21 stoppen. "Wir planen heute so wie in der Steinzeit: Trotz Planungsrecht bekommen wir einstweilige Verfügungen, und Minderheiten sind so laut, dass man glaubt, es sind nur noch Gegner da. Da hilft nur reden und zuhören", sagte Grube.

Brücken, Gleise, Weichen, leisere Güterwaggons - alles seien wichtige Investitionsziele, sagte Grube. Aber die wichtigste Veränderung ist eine andere: "Die Digitalisierung wird die Welt der Logistik massiv verändern", sagte Grube. "Die Zukunft der Mobilität ist nicht, den Lkw von X nach Y zu fahren, sondern die Vernetzung der Verkehrsmittel." Unternehmer Felix Fiege, Chef des gleichnamigen Logistikriesen, betonte: "Online-Handel und eCommerce werden viel verändern. Wir brauchen Konzepte und auch Arbeitszeitmodelle, um flexibel zu bleiben und den Anschluss nicht zu verpassen." Der Markt für Logistik wächst ungebrochen, aber ein wesentliche Veränderungen könnte der 3D-Drucker auslösen. Wenn etwa Ersatzteile nicht mehr geliefert, sondern selbst hergestellt werden. "Das ist eine Bedrohung, aber auch eine Chance", sagte Fiege. "Man muss neue Konzepte einbinden. Wer das nicht tut, verliert."

Quelle: NGZ
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