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Neuss
"Lukas" wehrt sich gegen AOK-Bewertung

Neuss: "Lukas" wehrt sich gegen AOK-Bewertung
Die AOK bewertet die Kardiologen unterdurchschnittlich - trotz internationaler Reputation der Ärzte am "Lukas". FOTO: Lukaskrankenhaus
Neuss. Auch das Neusser Etienne-Krankenhaus erhält nur durchschnittliche Noten von der Krankenkasse.

Wie Professor Michael Haude einem schlummernden Patienten eine Aortenklappe einsetzt, interessiert die ganze Fachwelt. 5000 Kardiologen wollten dem Chefarzt der Medizinischen Klinik I am Neusser Lukaskrankenhaus dabei zusehen und verfolgten von einem Kongress in Paris aus den via Kamera und Internet übertragenen Eingriff. Doch glaubt man der AOK Rheinland/Hamburg, die am Donnerstag im Internet die Ergebnisse ihrer Klinikbewertung veröffentlicht hat, sollte man als Herzpatient um Haude einen Bogen machen. Ja, dann sollte man sich im "Lukas" bestenfalls noch den Blinddarm entfernen lassen - denn das können die Doktoren an der Preußenstraße angeblich noch am besten.

Das städtische Klinikum wehrt sich gegen diese Bewertungen, besser: gegen die Methodik. Nicht wie andere Häuser mit einer Klage vor dem Bundessozialgericht Berlin, sondern mit einer Informationsoffensive. Im Fachmagazin "KU Gesundheitsmanagement" haben Geschäftsführer Nicolas Krämer und Professort Peter Goretzki, Chefarzt der Chirurgischen Klinik I, unter der Überschrift "Ein objektiver Vergleich?" die Probleme der Qualitätsmessung dargestellt und die AOK-Methodik zerpflückt. Sie beklagen vor allem den "Expertenmalus". Der entsteht nach Krämers Darstellung dadurch, dass zum Beispiel beim Thema Gallenblasenentfernung nicht zwischen geplanten und Notfall-Operationen, die am "Lukas" überdurchschnittlich oft anfallen, unterschieden wird - obwohl der Risikokontext ein ganz anderer sei. Ergebnis seien bestenfalls durchschnittliche Bewertungen.

Als eines der ersten Häuser bundesweit hat das Lukaskrankenhaus zudem von sich aus Kennziffern für ausgewählte Diagnosen wie Herzinfarkt oder Gallenblasenentfernung auf der Internetseite des "Lukas" öffentlich gemacht. Diese Analyse wurde mit dem Krankenhaus-Zweckverband Rheinland vorgenommen, macht auch Aussagen zu postoperativen Komplikationen oder gar Todesfällen - und kommt durchweg zu überdurchschnittlich positiven Resultaten.

Insgesamt hat das "Lukas" im AOK-Report in acht Kategorien sechs Mal durchschnittlich und zwei Mal unterdurchschnittlich abgeschnitten. Wie passt dazu der Hinweis, dass 83 Prozent der Patienten das Haus weiterempfehlen wollen? Auch das Johanna-Etienne-Krankenhaus (von 77 Prozent empfohlen) kommt nicht gut weg: vier unterdurchschnittliche und eine durchschnittliche Bewertung. Klassenbester in Neuss ist die Rheintor-Klinik, wo es nur geplante Operationen gibt.

Erstmals habe man in diesem Jahr kein Ranking der Krankenhäuser ausgewiesen und keine Pressenotiz herausgegeben, sagt Ellen von Itter, Pressesprecherin der AOK in Düsseldorf. Ärger, Diskussionen und Kritik wird das nicht vermeiden.

Info https://weisse-liste.krankenhaus.aok.de

(-nau)
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