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Neuss
Lustvolle Oper über eine heimliche Ehe in der Alten Post

Neuss. Regisseur Philipp Harnoncourt zeigte Domenico Cimarosas "Il matrimonio segreto" als öffentliche Probe im Kulturforum. Von Hansgeorg Marzinkowski

Es gibt Zufälle, für die darf man dankbar sein. Weil das Goethe-Theater in Bad Lauchstädt für das nächste Wochenende eine Opernpremiere absagen und die Aufführungen in den Juli des nächsten Jahres verschieben musste, kam Neuss nicht ganz zufällig an einen glanzvollen Opernabend in der Alten Post. Eingeladen für die Aufführungen der Oper "Il matrimonio segreto" (Die heimliche Ehe) von Domenico Cimarosa (1749 - 1801) in der Saalestadt war das Barockorchester Concert Royal Köln unter der musikalischen Leitung des Neusser Münsterkantors Joachim Neugart, der zusammen mit Carla Schroeter, der Leiterin des Barockorchesters, auch die sechs Solisten aussuchte. Nach zwei Wochen intensiver Probenarbeit in Neuss gab es zum Abschluss eine Art Generalprobe in der Alten Post vor lückenlos besetzten Zuhörerreihen.

Die Neuinszenierung für das Goethe-Theater besorgt der österreichische Regisseur Philipp Harnoncourt, der sich auch als Dramatiker und Lichtdesigner international einen Namen gemacht hat. Er bat er die Zuhörer um Verständnis: "Wir haben für diesen Probendurchlauf kein Orchester, sondern einen Flügel, und die Requisiten sind mehr oder weniger aus dem Müll." Kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe brachte die Opera buffa im Juli 1797 unter dem Titel "Die heimliche Heyrath" erstmals in Bad Lauchstädt auf die Bühne. Cimarosa schuf mit diesem Meisterwerk unter seinen rund 70 Opern eine typische Buffo-Oper mit viel Situationskomik der sechs unterschiedlichen Charaktere.

Um die Gunst der Männer konkurrieren Elisabeth und Caroline, die Töchter des geschäftstüchtigen Kaufmanns Gerbrand. Caroline hat aber heimlich dessen Dienstboten Falkenstein geheiratet, auf den es wiederum die verwitwete, aber heiratswütige Tante Talma abgesehen hat. Als der Heiratskandidat Baron Wallenstedt auftritt, nimmt die Farce voller Humor und Überspanntheiten ihren Lauf.

Philipp Harnoncourt inszeniert die Geschichte mit viel Tempo, in den Probendurchlauf griffen weder er noch seine Assistentin Alexandra Pape ein. Ausgezeichnet und lebhaft agierten und sangen Frederik Schauhoff (Bass), Achim Hoffmann (Bass), Tobias Glagau (Tenor), Eva Marti (Alt) und als Schwestern Joanna Klisowska (Sopran) und Katarzyna Wilk (Sopran). Die Arien bestechen durch kleine liedhafte Formen, häufige Duette bis zum Sextett saßen bereits großartig. Den Mammutpart am Flügel teilten sich Joachim Neugart und Nicolas Kierdorf, der noch in Köln studiert, aber bereits auch Erfahrungen als Orchesterleiter sammelt. Weil überdies die Textverständlichkeit der Sängerinnen und Sänger ganz ausgezeichnet war, konnten die Zuhörer dem grandiosen Heiratswirrwarr mit Vergnügen folgen.

Quelle: NGZ
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