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Interview Karl-Heinz Florenz
Mach's gut, Europa!

Interview Karl-Heinz Florenz: Mach's gut, Europa!
Karl-Heinz Florenz Kündigt an, sich auch nach 2019 politisch engagieren zu wollen. FOTO: Dieker
Neuss. Der EU-Abgeordnete Karl-Heinz Florenz (CDU) hört nach dieser Wahlperiode auf. Sein Nachfolger könnte aus Neuss kommen.

Herr Florenz, Sie haben kurz nach Ihrem 70. Geburtstag mitgeteilt, dass Sie Ihre Tätigkeit im Europäischen Parlament zum Ende dieser Wahlperiode 2019 beenden werden. Wie lange stand dieser Entschluss fest?

Karl-Heinz Florenz Nach meiner Wiederwahl 2014 habe ich darüber nachgedacht, ob dies meine letzte Legislaturperiode sein würde. Nach längeren Gesprächen mit meiner Familie habe ich dann diesen Oktober meinen Entschluss gefasst. Ich glaube, es ist auch jetzt die Zeit gekommen, der jungen Generation den Staffelstab zu übergeben. Es ist nur fair, meine Entscheidung rechtzeitig bekannt zu geben, damit genug Zeit bleibt, eine geeignete Nachfolgerin oder einen geeigneten Nachfolger zu finden.

Abschied bedeutet auch Rückblick. Welche Zeit war am turbulentesten in den vergangenen knapp drei Jahrzehnten?

Florenz Zwei Ereignisse werde ich nie vergessen: Eines war die Einführung unserer gemeinsamen Währung, des Euros. Das andere das Zustandekommen des Pariser Klimaschutzabkommens 2015. Ein Meilenstein meiner politischen Karriere. Seit 1992 habe ich intensiv an diesem Thema gearbeitet und war bei jeder UN-Klimakonferenz im Rahmen einer Parlamentsdelegation dabei. 2015 durfte ich dann endlich das Erreichen eines weltweiten Abkommens live miterleben. Und ich freue mich sagen zu können, dass Europa hier eine zentrale Rolle gespielt hat. Gerade im Klima- und Umweltbereich können wir viele große Erfolge in Europa aufweisen. In den letzten 30 Jahren hat sich allgemein viel getan, denn das Europäische Parlament konnte sich immer mehr Mitsprache erkämpfen und ist heute gemeinsam mit dem Ministerrat Gesetzgeber in der Europäischen Union. Dementsprechend sind unsere Aufgaben und Verantwortungen gewachsen und die Zeiten turbulenter und arbeitsintensiver geworden.

Welche Herausforderungen werden in Zukunft auf Europa zukommen?

Florenz Das Bewusstsein ist gewachsen, dass Europa in der Außenpolitik und den Verteidigungsfragen eine klare europäische Position entwickeln muss. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der Entwicklungen in den USA. Auch in der Frage der weltweiten Migrationsbewegung und von Klimaflüchtlingen müssen wir zusammen stehen. Die aggressiven nationalen Töne, die in einigen Mitgliedstaaten zu hören sind, lösen unsere Probleme nicht. Europas Schwierigkeit ist, dass sich 28 Mitgliedstaaten einigen müssen. Dies dauert seine Zeit und es muss in diesem Prozess auch jeder ein paar Federn lassen. Aber wenn wir eine gemeinsame Linie entwickelt haben, sind wir mit 500 Millionen Bürgerinnen und Bürgern in der Welt ein Gewicht, das man nicht zur Seite schieben kann.

Diese Herausforderungen wird Ihr Nachfolger angehen müssen. Welche Qualitäten muss er mitbringen?

Florenz Kompromissbereitschaft, viel Ausdauer und Verhandlungsgeschick. Sicherlich ist ein guter, klarer Menschenverstand in all der Komplexität von Nöten. Und ein weiterer Punkt ist mir wichtig: Er oder sie muss zuhören können, denn meist stellt sich heraus, dass die Dinge nicht so simpel sind, wie sie am Anfang scheinen und auch andere Abgeordnete haben gute Ideen und Einfälle. Der Niederrhein ist von einer Randzone Deutschlands durch den Binnenmarkt in das Zentrum Europas gekommen, dieser Bedeutung muss sich mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin bewusst sein, um eine erfolgreiche Rolle zum Wohle unserer Region spielen zu können.

Aus Neuss hat der Jurist Andreas Hamacher bereits den Hut in den Bewerberring geworfen. Aus Kaarst Dilek Haupt. Sind das geeignete Kandidaten?

Florenz Seit langem ist bekannt, dass im Rhein-Kreis Neuss gute CDU-Politikerinnen und -Politiker unterwegs sind. Der Vorstand der CDU Rhein-Kreis Neuss wird einen guten Mann oder eine gute Frau vorschlagen.

SIMON JANSSEN STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: NGZ
 
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