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Neuss
Männerfantasien im RLT-Café Diva

Neuss. In der RLT-Reihe "Nachtschicht" inszeniert Joachim Berger ein Stück für zwei Schauspieler.

Ob sie wirklich so fies sind, wie der Titel es verheißt, wird sich zeigen. "Kurze Interviews mit fiesen Männern" hatte David Foster Wallace vor fast 20 Jahren seine 400 Seiten starke Textsammlung betitelt, die Grundlage ist für ein rund einstündiges Theaterstück in der "Nachtschicht"-Reihe des RLT im Theatercafé Diva.

Zumindest drei Männer sind dabei am Werk. Joachim Berger hat die Fassung erstellt und führt die Regie, Christoph Bahr und Richard Lingscheidt spielen. Für Berger ist es nach dem "Werther" die zweite "Nachtschicht"-Arbeit: "Ort und Schauspieler waren gesetzt", sagt er, "den Text konnte ich selbst aussuchen." Er hat sich für Wallace entschieden, zwei Texte/Interviews (von 18) herausgesucht, die seiner Meinung nach auch in einem dramatischen Zusammenhang interessant sind. Frei nach dem Motto: "Schön, dass ich es sehen kann und nicht lesen muss", sagt er, der zudem auch eine "gewisse Art von satirischer Zuspitzung" verspricht. Den Begriff Interview dürfe man nur nicht wörtlich nehmen: "Es gibt keine Fragen, sondern nur die Monologe der beiden Männer." Dafür werden Bahr und Lingscheidt den kompletten Raum nutzen, herumlaufen und auch Kontakt zum einen oder anderen Zuschauer aufnehmen.

Und was ist nun das Fiese an diesen Männern? Nun, die beiden denken nur an das Eine, erzählen von ihren Fantasien, ihren Beziehungen zu Frauen, allein aus ihrer Innensicht. Der eine hält sich für den großen Verführer, wechselt die Frauen wie andere das Hemd, der andere schleppt Frauen ab, um ihnen vor allem etwas vorzuheulen. Ergänzt werden diese Erwachsenenfantasien von denen eines Fast-13-jährigen in einem Schwimmbad. Er schafft es aufs Sprungbrett - nach einem langen Weg entlang den erotischen Verführungen am Beckenrand. Christoph Bahr spielt diesen Jungen, hat sich dafür gar im Vorfeld auf den Zehn-Meter-Turm im Südbad getraut. "Das war wie im Text beschrieben", sagt er lachend - und meint damit die Gefühle auf dem Sprungbrett. Damit der Abend nicht nur Männersache ist, hat Berger ihm noch einen Subtext gegeben. Von Donna Haraway zur Genderproblematik und eingestreut von Frances van Boeckel nach dem Motto "Moment...!" sagt Berger.

Info Oberstraße 95, Freitag, 16. Juni, 20 Uhr (Premiere), Karten: 02131 269933

(hbm)
 
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