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Neuss
"Mann mit Rose" als Symbol für das Leben und den Menschen

Der "Mann mit Rose"
Der "Mann mit Rose" FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Skulptur von Stephan Balkenhol wurde gestern von den Augustinus-Kliniken übergeben. Von Helga Bittner

Als ob der Mann ahnt, was da gleich kommt. Regen. Nicht nur in kleinen Tropfen, wie sie bislang auf die vielen Zuhörer fallen, die den Reden ihm zu Ehren lauschen. Die Rose in seiner Hand wird zum widerspenstigen Haken für den blau-silbernen Umhang, der bislang nur seine Füße sichtbar macht und nun immerhin einen Teil des Oberkörpers und den Kopf entblößt. Bis sein Schöpfer, der Bildhauer Stephan Balkenhol, beherzt zu einem Stockschirm greift und den "Mann mit Rose" gänzlich enthüllt.

Rund vier Meter groß, aus Bronze, angetan mit einer schwarzen Hose und einem weißen Hemd steht er am Haupteingang zum Zentrum für seelische Gesundheit der St.-Augustinus-Kliniken und begrüßt - oder verabschiedet - Passanten wie Patienten mit einer Rose in der Hand.

Die zittert noch leicht vor sich hin, als die vielen Gäste schon im Innern des Zentrum Schutz vor dem einsetzenden Regen suchen. Darunter natürlich die Redner Paul Neuhäuser (Geschäftsführer der Augustinus-Kliniken), Dr. Martin Köhne (Ärztlicher Direktor St.-Alexius-/St.-Josef-Krankenhaus), Stephan Balkenhol, Willibert Pauels (Kabarettist und Diakon) sowie Bürgermeister Reiner Breuer, die den Anlass mit ebenso bewegenden wie auch passenden Worten würdigten. Aber auch Gäste wie Schützenkönig Christoph Napp-Saarbourg mit seiner Königin Petra, Kulturdezernentin Christina Zangs, Sparkassenvorstand Michael Schmuck oder Künstler wie Heinz Gilges und Lotte Sturm sind dabei, als in Neuss die erste Arbeit des bekannten Künstlers Balkenhol präsentiert wird.

Der ist mit seiner Familie gekommen, sieht seinen "Mann mit Rose" zum ersten Mal an seinem neuen Platz und ist höchstzufrieden. Der Standort gefällt ihm, selbst an der grünen Hecke hat er nichts auszusetzen: "Sie gibt ihm eine Einfreidung", meint er, der zurzeit ins einem Atelier an einer Ausstellung in Salzburg arbeitet.

Unter 20 Künstlern hatte Balkenhol bei einer Ausschreibung das Rennen gemacht. Zwar lagen die Kosten für seine Arbeit über dem Budget, aber weil Sponsoren gewonnen wurden und Balkenhol selbst dem Auftraggeber entgegenkam, ist "Neuss nun die einzige Stadt im Rheinland", wie Reiner Breuer betont, "in der eine Skulptur von Balkenhol steht".

Die "Oase der Heilung", wie Pauels, der vor vier Jahren wegen eine schweren Depression in das Zentrum kam, das Haus an der Nordkanalallee betitelt, hatte auch Balkenhol bei seinem ersten Besuch beeindruckt. Zudem, so erklärt er, habe er "in einer Krise im Zuge einer Trennung" erfahren, wie hilfreich eine psychotherapeutische Behandlung sei. "Die Kliniken haben sich ein Wahrzeichen gewünscht", meint der Künstler, "ich wünsche mir, dass der Mann mit Rose die Wahrnehmung schärft und neugierig macht." Paul Neuhäuser sieht in dem "Mann mit Rose" ein Zeichen "für das Leben", Martin Köhne die Erinnerung an den Menschen, stets auf das Gleichgewicht von Verstand und Emotionen zu achten und Reiner Breuer ein Symbol für die "Entstigmatisierung der seelischen Krankheit".

Dass die Augustinus-Kliniken sich öffentlich mit "Kunst vor der Psychiatrie" (Köhne) präsentieren, passt zu ihrem Gesamtauftritt: Eine Kunststraße im Zentrum lädt ebenso zum Schauen und Nachdenken ein wie die traditionelle Ausstellung im Etienne-Krankenhaus.

Quelle: NGZ
 
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