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Neuss
Maßgeschneiderte Prothesen fürs Knie

Neuss: Maßgeschneiderte Prothesen fürs Knie
Oberarzt Lars von Engelhardt hat dem 82-jährigen Dieter Jaenecke ein maßgefertigtes Kniegelenk implantiert. Der kommt schon wenige Wochen nach der Operation ohne Gehhilfen aus. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Am Johanna-Etienne-Krankenhaus werden künstliche Kniegelenke angeboten, die in den USA nach einem neuen Verfahren produziert werden. Die ersten Ergebnisse mit Neusser Patienten machen allen Beteiligten Mut. Von Bärbel Broer

Seine Gehhilfe benötigt er kaum noch. Dabei wurde Dieter Jaenecke erst vor sechs Wochen am Johanna-Etienne-Krankenhaus (JEK) ein künstliches Kniegelenk eingesetzt. Sein neues Knie ist jedoch kein standardisiertes Gelenk, das in verschiedenen gängigen Größen verfügbar ist und bislang üblicherweise in der Endoprothetik eingesetzt wird. Dem 82-Jährigen wurde in der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin vielmehr eine maßgefertigte Knieprothese eingesetzt. Diese Hightech-Entwicklung bieten Professor Jörg Jerosch, Chefarzt der Klinik, und Privatdozent Dr. Lars von Engelhardt als Oberarzt seit kurzem routinemäßig an.

Der maßgefertigte Oberflächenersatz des Kniegelenks ist noch keineswegs Standard in Deutschland. In den USA dagegen wurden bereits mehr als 40.000 Patienten maßgefertigte Knieprothesen eingesetzt. Diese werden gefertigt mit Hilfe der 3-D-Druckertechnologie einer Firma in Boston, die das Patent darauf besitzt.

Auch Jaeneckes neues Gelenk wurde in Boston hergestellt. "Acht Wochen vor der Operation haben wir in unserer Radiologie einen computertomographischen ) Scan erstellt", erklärt Engelhardt. Neben der Oberflächenkontur des Kniegelenks werden auch das angrenzende Hüft- und Sprunggelenk gescannt und ausgemessen. "So stellen wir eine korrekte Achsausrichtung sicher", so Engelhardt. Eine Software wandelt die CT-Daten um, so dass die Bostoner Firma das maßgefertigte Implantat herstellen kann.

Wie sehr sich Jaenecke, der früher als Ingenieur tätig war, mit dem Thema beschäftigt hat, belegt sein Wissensstand: "Das Implantat besteht zum einen aus einer Kobalt-Chrom-Molybdän-Legierung, zum anderen aus Polyethylen." Bevor er dieser neuen Prothetik-Methode, die am JEK bislang erst sieben Mal verwendet wurde, zugestimmt hat, hatte sich Jaenecke umfassend informiert.

Letztlich überzeugten ihn die Technik und die Argumente des Oberarztes. "Etwa ein Viertel aller Patienten, die ein konventionelles künstliches Kniegelenk erhalten, sind weiterhin schmerzgeplagt und mit der Operation keineswegs zufrieden", sagt Engelhardt. Ursache seien häufig Fehler in der Passgenauigkeit und Ausrichtung der Prothese. Maßgefertigte Implantate dagegen werden millimetergenau der natürlichen Anatomie angepasst. "Dies erhöht die Passgenauigkeit, was wiederum für ein natürliches Kniegefühl entscheidend ist", sagt der Orthopäde. Jedes Knie sei einzigartig, und die konventionelle Prothetik könne nicht so detailliert auf die individuelle Gelenkgeometrie eingehen.

Zwar koste der Einsatz maßgefertigter Kniegelenke etwa 2500 Euro mehr, so Engelhardt. "Doch amerikanische Studien belegen, dass diese Operationen dennoch wirtschaftlicher sind, weil die Folgekosten für Nachbehandlungen oder gar erneute Operationen geringer sind."

Sein Patient Dieter Jaenecke geht bereits anderthalb Monate nach der Operation fast wieder normal, kann sein Bein schon recht gut dehnen und erreicht bereits eine Beugung von 115 Grad. "Schmerzen habe ich zwar noch", sagt er. Doch Engelhardt ist überzeugt. "Etwa zwei Monate nach der Operation werden diese Schmerzen weniger."

Der Oberarzt ist ganz begeistert von den maßgefertigten Knieprothesen: "Ich kann keine Nachteile erkennen. Ähnlich wie bei der Bekleidung kann natürlich ein Konfektionsanzug perfekt sitzen, die Chance bei einem Maßanzug ist allerdings höher."

Quelle: NGZ
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