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Analyse
Mehr Schützen, mehr Geld, mehr Sicherheit

Neuss. Das Regiment wächst. Das Bilanzvolumen hat mit 850.000 Euro die Größe eines mittelständischen Unternehmens erreicht. Das ehrenamtlich tätigte Komitee liefert professionelle Ergebnisse, um die großen Herausforderungen der Zukunft meistern zu können: Von Ludger Baten

Das größte Lob, das Neusser Schützen für das festführende Komitee bereit halten, kommt ihnen immer dann über die Lippen, wenn sie mehr oder weniger erstaunt feststellen: "Ich kann nicht erkennen, was die Herren vom Komitee eigentlich tun - außer huldvoll in die Runde zu blicken." Es ist halt das Los all jener, die so gute Arbeit leisten, so dass organisatorische Rädchen geräuschlos ineinander greifen, dass ihr Engagement leicht übersehen werden kann.

Ohne Zweifel liefert das ehrenamtlich tätige Komitee des Bürger-Schützen-Vereins professionelle Ergebnisse ab. Zwei Zahlen belegen das eindrucksvoll. Seit der Jahrtausendwende kletterte die Zahl der aktiven Schützen von 4758 auf aktuell 5673. Ein Nettozuwachs von 900 Mann. Um die stolze Zahl der Marschierer - hinzu kommen noch fast 2000 Musiker - zu bewegen, schlägt Schatzmeister Robert Rath ein Finanzvolumen von 850.000 Euro um. Der Verein ist längst zum mittelständischen Unternehmen mutiert. "Den halben Etat müssen wir aus der Vermarktung finanzieren", sagt Vizepräsident Christoph Buchbender und lenkt bewusst den Blick auf die Herausforderungen der Zukunft: "Mehr Schützen. Mehr Geld. Mehr Sicherheit".

Ein Architekt der Neuausrichtung des Neusser Schützenwesens ist Thomas Nickel (68). "Als ich 1991 ins Komitee kam", erinnert er sich, "da siezten sich dort alle noch." Seit 2000 ist Nickel der Präsident. "Wir haben in dieser Zeit das Komitee in Qualität verjüngt", sagt er und betont den Teamgeist: "Das Komitee hilft mir und sich." Das bestätigen auch Markus Jansen und Achim Robertz. Das Duo, vor Jahresfrist erstmals gewählt, wird eingearbeitet. Robertz hat bereits Lehrgänge erfolgreich absolviert, um einmal als Schützenmeister die Nachfolge von Martin Flecken anzutreten.

Am Freitag stellt sich Nickel zum letzten Mal der Wiederwahl. Seine volle dreijährige Amtszeit will er nicht ausschöpfen. In zwei Jahren ist Schluss. Damit bleibt er sich treu. Bereits im Sommer 2012 hatte er auf dem blauen NGZ-Sofa gesagt: "Ich habe nicht vor, im Alter von 70 Jahren noch einmal für das Komitee zu kandidieren." Mehr noch. Jetzt kündigt er an, dass er sich mit Erreichen des 70. Lebensjahres als Präsident zurückzuziehen wird.

Damit ist alles im Lot. Fast. Wäre da nicht die öffentlich gewordene Debatte um Wiederwahl und Amtszeit des Präsidenten. Ausgelöst wurden Debatte und Spekulationen, da Nickel als CDU-Kandidat beim Griff nach dem Bürgermeister scheiterte. In der Stunde der politischen Niederlage erhielt die Präsidentenwahl eine gesellschaftliche Dimension. Zu Recht? Hermann Wilhelm Thywissen und Bertold Reinartz waren Bürgermeister und Schützenpräsidenten in Personalunion. Doch lang, lang ist es her. Diese enge Verbindung von Politik und Schützenwesen wollen offenbar weite Teile des Regiments - und, diese Interpretation lässt das Wahlergebnis zu, auch weite Teile der Bevölkerung - nicht mehr. Was wird folgen? Martin Flecken (60), designierter Präsident ab dem Jahr 2017, ist klug genug als CDU-Ratsherr, nicht nach dem Amt des Ersten Stellvertretenden Bürgermeisters zu greifen. Er hat sich entschieden. Für seine Schützen.

Quelle: NGZ
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