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"Sterbebegleitung und Sterbehilfe" von Werner Schell
Menschliche Zuwendung in der Sterbebegleitung

Erfttal. Im Zuge der zunehmenden Technisierung der Welt erhält der Mensch immer mehr die uneingeschränkte Macht, über Leben und Tod zu entscheiden. Menschen, in erster Linie Ärzte, werden unmittelbar vor die Wahl gestellt, zu entscheiden, wann ein menschliches Leben als nicht mehr lebenswert gilt - die Gratwanderung zur aktiven Sterbehilfe ist sofort gegeben.

Es stellt sich die Frage: Mit welcher Rechtfertigung kann der Mensch über menschliches Leben richten? Ein Buch, das sich ausführlich dieser Thematik und Problematik widmet, ist Werner Schells "Sterbebegleitung und Sterbehilfe". Werner Schell, Autor mehrerer Fachbücher, lebt und arbeitet in Neuss-Erfttal.

Im Juni ist nun im Brigitte-Kunz-Verlag die zweite aktualisierte und erweiterte Auflage erschienen. Das Buch stellt eine Materialsammlung von Gesetzen, Rechtsprechungen, Deklarationen, Richtlinien und Stellungnahmen der unterschiedlichsten Vereinigungen dar. Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Würde eines sterbenden Menschen und die damit verbundene Kontroverse um die aktive Sterbehilfe. Sehr detailreich und von den verschiedensten Standpunkten beleuchtet, wird diese Problematik aufgegriffen.

Erstes zentrales Kapitel ist die Zusammenstellung wichtiger Gesetzestexte. In einem Kommentar greift Werner Schell die in sich widersprüchliche judikative Haltung - einerseits der über allem stehende Schutz des menschlichen Lebens, andererseits die Legitimierung der aktiven Sterbehilfe - auf. Wie die rechtliche Grundlage Anwendung findet, suggerieren richterliche Rechtsprechungen für und wider die aktive Sterbehilfe. Ergänzung findet dieser Teil in Deklarationen, Richtlinien und Stellungnahmen, die den wesentlichsten Part des Buches ausmachen.

Sterbebegleitung, also menschliche Zuwendung, statt aktive Sterbehilfe bleibt dabei die Forderung des Autors. Die Stärke des Buches liegt in der objektiven Darstellung der Problematik. Der Leser bekommt ein Verständnis für die dialektische Situation, in der sich Ärzte befinden, wenn das Abschalten der Apparatur als erlösender Moment erscheint. Gleichzeitig verdeutlicht es die Mängel in der medizinischen Ausbildung bezüglich der Sterbebegleitung, so dass Ärzte oftmals nicht ausreichend auf "würdiges Sterben" vorbereitet sind.

Dabei verurteilt es jedoch nicht die Ärzte, vielmehr macht es ausdrücklich auf deren Zerrissenheit in der Entscheidung aufmerksam. Werner Schell gelingt es auch, dem unbefangenen Leser einen Eindruck von dieser sensiblen Kontroverse zu vermitteln. Trotz seiner klaren Parteinahme für die Sterbebegleitung oktroyiert er dem Leser nicht seine Meinung auf, sondern diskutiert die Problematik durch die Vielfalt der Quellen, die beide Positionen beleuchten.

Die Gratwanderung zwischen juristischen Spitzfindigkeiten und emotionalen Handlungen suggerieren, in welche Zwickmühle die Thematik Beteiligte führen kann. Letztendlich lässt der Autor dem Leser in seiner Publikation den Freiraum zur eigenen Reflexion über aktive Sterbehilfe und Sterbebegleitung und bietet somit eine Hilfe bei der Suche nach einer Haltung. (Brigitte-Kunz-Verlag) HDH

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