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Neuss
Migrantenverein nutzt Ostdeutsche Heimatstube

Neuss: Migrantenverein nutzt Ostdeutsche Heimatstube
Ozan Erdogan (l.) vom "Raum der Kulturen" und Peter Pott als Heimatstube-Beauftragter freuen sich auf die neue Kooperation. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Mehrsprachig, religionsunabhängig, kulturübergreifend - neuer Verein bündelt Vielfalt in der Neusser Gesellschaft und wirbt für Toleranz. Von Ludger Baten

Stadtweit leben 21 300 Ausländer in Neuss. Sie alle, die ihre Muttersprache, ihre eigene Kultur und ihre Weltanschauung mitbringen, sie alle sorgen für bunte Vielfalt in der Stadt - und sind Neusser. Viele von ihnen organisieren sich in zum Teil kleinen Vereinen und noch kleineren Initiativen. Jetzt könnte es gelungen sein, diese vielschichtige Migrantenarbeit zu vernetzen und unter ein Dach zu holen. 16 Gründer tragen den Verein "Raum für Kulturen Neuss", der allen Mitgliedern eine Plattform bietet und den Migranten eine Stimme gibt. "Wir unterscheiden uns, wir haben Gemeinsamkeiten", sagt Ghalia El Boustami, "aber wir wollen alle gemeinsam die Stadt mitgestalten, in der wir gern leben."

Die 47 Jahre alte Grünen-Ratsfrau ist der Motor, der den langen Prozess bis hin zur Vereinsgründung vorangetrieben hat. Sie wurde als Tochter eines syrisch-französischen Vaters und einer russischen Mutter in Marokko geboren, wuchs in Belgien auf, ist mit einem Deutschen verheiratet: "Ich bin ein Mensch mit vielen Facetten", sagt El Boustami. Mit dem "Raum für Kulturen" erfüllt sich für El Boustami ein Traum, der in Neuss bereits seit sieben, acht Jahren geträumt wird. Zu den Initiatoren damals wie heute zählen Despina Kosmidou und Sükür Polat, aber auch der Vorsitzende des Integrationsrates Ozan Erdogan (61) ist beflügelt von der Dynamik des Gründungsprozesses: "Wenn wir unsere Arbeit gut machen, dann werden sich weitere Vereine uns anschließen." Sieben Vereine haben sich bisher unter das Dach von "Raum für Kulturen" begeben; auch die Mitgliedschaft von Einzelpersonen ist möglich.

FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)

Für den Verein ist eine breite politische Unterstützung erkennbar. Bereits im Herbst 2012 hatten sich die Grünen im Rat für einen "Raum der Kulturen" stark gemacht und inzwischen sind im Etat 40 000 Euro für dieses Projekt eingesetzt. So feiert sich jetzt auch die schwarz-grüne Ratsmehrheit für ihren Erfolg. "Der Raum der Kulturen ermöglicht Begegnung auf Augenhöhe. Er ist ein Zeichen für überparteiliche Demokratie, Toleranz und Respekt", sagt Susanne Benary-Höck, die sozialpolitische Sprecherin der Neusser Grünen. Die Fraktionschefs Helga Koenemann (CDU) und Michael Klinkicht (Grüne) gratulieren dem neuen Verein und danken "unserer Kollegin aus dem Stadtrat, Ghalia El Boustami, sowie allen anderen Mitstreitern für ihren Einsatz für dieses Projekt".

Die Dachorganisation "Raum der Kulturen" hat auch einen Raum zur Hand, den sie nutzen kann: Als fünfte Organisation genießt sie Gastrecht in der "Ostdeutschen Heimatstube", die von drei Landsmannschaften (Pommern, Schlesien, Ostpreußen) sowie der Kreisgemeinschaft Rößel betrieben wird - und sie beteiligt sich anteilig auch an den Mietkosten. "Wir sind letztlich auch alle Flüchtlinge", sagt Peter Pott (72), im 13. Jahr Beauftragter für die Heimatstube, "und wir haben uns in die Neusser Gesellschaft integriert." Er sei sicher, dass die Landsmannschaften und der neue Migrantenverein gut miteinander auskommen werden. Die Vorgespräche bis zur spruchreifen Vereinbarung seien in einem vertrauensvollen Klima geführt worden: "Es ist doch schön, wenn die Heimatstube jetzt noch besser genutzt wird."

Quelle: NGZ
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