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Neuss
Ministerium finanziert Tanzprojekt mit Jugendlichen

Neuss. Zwischen 14 und 19 Jahre alt sind die Tänzer, die in der Alten Post an einem neuen Stück arbeiten. Produktionsleiter ist Hamdi Berdid.

Das ist Hamdi Berdid noch nicht oft passiert: Die Suche nach Sponsoren fand ein schnelles Ende, weil ein Förderer auch der alleinige sein will. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert nicht nur das Tanzprojekt "So oder so ist das Leben" (Arbeitstitel), sondern hat sogar die Bedingung gestellt, dass kein weiteres Geld eingeworben wird.

Das Programm "Kultur macht stark" macht es möglich, dass Berdids Antrag für seinen Verein Kubid auf Unterstützung realisiert wird. 13.400 Euro fließen in ein Tanzprojekt, das im Übungsraum der Alten Post derzeit von den jungen Teilnehmern erarbeitet wird. 27 sind es zurzeit, aber Berdid rechnet damit, dass einige noch abspringen werden. "Wir sind noch in der Basisarbeit, entwickeln Gedanken und Ideen, machen Grundübungen in Atemtechnik, Sprache und Tanz."

Um die 20 der 14- bis 19-Jährigen werden bei der Stange bleiben, glaubt er. Versierte Tänzer der Truppe, die zuletzt das Projekt "Dialog" aufgeführt hat und sich nun Side B nennt, trainieren mit ihnen. Frederick Brumm formt mit ihnen die Texte, Yeliz Pazar studiert mit ihnen die Choreographie ein. "Wir haben einen hohen künstlerischen Anspruch", betont Berdid, der auch deswegen das neue Projekt von Kubid nicht als "pädagogische Maßnahme" sieht, sondern als Bühnenproduktion, die sich an professionellen Standards orientiert. "Das heißt auch, dass wir mit den Teilnehmern andere Theaterstücke besuchen", sagt Berdid, "damit jeder sieht, was es heißt, auf einer Bühne zu stehen."

Das Stück selbst soll aus den Erfahrungen und Ideen der eigenen Lebenswelt der Teilnehmer entstehen. "Deswegen kann es gut sein, dass der Arbeitstitel auch der endgültige Titel ist", sagt Berdid, denn das inhaltliche Konzept beruhe auf drei Fragen: "Was erwarte ich von mir selbst? Was erwarte ich von anderen? Wie tolerant bin ich?"

Damit hat Berdid die Jury beim BMBF überzeugen können und ist auch stolz drauf: "Ich habe erfahren, dass die Beurteilungskriterien sehr hart waren." Das Kulturamt und den Raum der Kulturen hat er als ideelle Partner an der Seite, aber beide dürften nur ehrenamtlich unterstützen. Für die Teilnehmer an dem Tanzprojekt gelten strenge Regeln: Wer dabei bleibt, muss sich an Absprachen und Zeiten halten.

Die Aufführung des Stücks findet "auf jeden Fall vor den Sommerferien statt", sagt Berdid, der mit dem Stück "Musterkanaken" 2009 in der Alten Post eine Tanzform etabliert hat, die aus dem HipHop der Straße eine bühnenreife Performance gemacht hat. Kein Wunder also, dass im Gegensatz zum Termin der Aufführungsort schon feststeht: die Alte Post an der Neustraße in Neuss. "Ist ja schließlich die Schule für Kunst und Theater", sagt Hamdi Berdid, der dort auch längst Dozent ist.

(hbm)
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