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Neuss
Misstrauen als Geschäftsmodell

Neuss. Untreue Ehemänner, diebische Kiosk-Angestellte, gesunde Arbeitnehmer mit Krankschreibung: Der Privatdetektiv Andreas Simon hat in seiner Karriere viel erlebt. Von Simon Janssen

Erlebnisse, die wie Szenen aus einem Action-Film klingen, sind für Andreas Simon Alltag. Ob Verfolgungsfahrten per Auto, Installation von verdeckten Überwachungskameras oder Observierungen sogenannter Zielpersonen: Seit fast 35 Jahren ist Simon als Privatdetektiv im Einsatz. Vor knapp 15 Jahren eröffnete er eine Detektei in Neuss, ist mit seinen freien Mitarbeitern - einem Pool von rund 25 Privatdetektiven - bundes-, aber auch weltweit aktiv.

Einige spannende Fälle erlebte der 54-Jährige bereits in der Quirinusstadt. Noch gut erinnert er sich an den Auftrag eines Kiosk-Inhabers. Dieser wunderte sich eines Tages, dass die Inventur nicht stimmte. Also rief er Andreas Simon, der daraufhin verdeckt Videokameras in dem Kiosk installierte, um die Mitarbeiter zu filmen. "Bei der Auswertung der Aufzeichnungen stellte sich heraus, dass sie Zigaretten und weitere Waren gestohlen und teilweise privat weiterverkauft haben", sagt Simon, der eine juristische Einordnung hinzufügt: "Als letzte Möglichkeit ist der Einsatz verdeckter Videotechnik erlaubt."

Beim Gedanken an einen Detektiv ist die Vorstellung von Sherlock Holmes nicht fern. Doch wer davon ausgeht, dass auch Simon stets im Mantel gekleidet, Pfeife rauchend und mit Lupe "bewaffnet" auf Spurensuche geht, der irrt. Seine Aufgaben sind aber dieselben: Er spürt auf, kombiniert, sammelt Beweise. "Damit wir tätig werden, muss es aber konkrete Anhaltspunkte geben. Ein Verdacht allein reicht nicht aus", sagt er. Am Ende seines Einsatzes verfasst er einen Bericht, der unter anderem niedergeschriebene Beobachtungen und Fotos beinhalten kann. "Wir liefern nur die Ergebnisse ab. Was der Auftraggeber damit macht, ist ihm überlassen", sagt der 54-Jährige.

So weiß er auch nicht, wie das Ehe-Drama endete, mit dem er sich einst beschäftigte: Eine verzweifelte Frau beauftragte Simons Detektei gleich dreimal, ihren Ehemann zu observieren. "In allen drei Fällen wurde er der Untreue überführt. Zweimal mit derselben, einmal mit einer anderen Frau", sagt Simon.

Dieser Fall zeigt: Der 54-Jährige ist auch im privaten Bereich tätig. Sein Kerngebiet sind aber Aufträge von Wirtschaftsunternehmen. Oft geht es dabei um Diebstahl, Unterschlagung, den klassischen "Blaumacher" oder die Überwachung von Außendienstmitarbeitern. Entscheidendes Kriterium, damit ein Auftrag angenommen wird, ist das sogenannte berechtigte Interesse. Die Befriedigung der Neugier zählt nicht dazu. "Auch der Verdacht, dass der Freund betrügt, reicht nicht aus", sagt Simon. Bei dem Ehepartner sehe das schon anders aus. "Mit diesem hat man ja einen zivilrechtlichen Vertrag geschlossen. Darin enthalten ist auch die Treue. Somit liegt beim Fremdgehen ein Vertragsbruch vor - ein berechtigtes Interesse liegt vor", sagt Simon.

Das konnte offenbar auch der Chef eines Neusser Unternehmens nachweisen, von dem Simon einst einen Auftrag erhielt. Ihm war aufgefallen, dass bei einem seiner Außendienst-Mitarbeiter die Umsätze wesentlich geringer waren als bei seinen Kollegen. Nach einigen persönlichen Gesprächen, die nicht zur Besserung führten, sollte Simon den Mann observieren, um herauszufinden, wie er seinen Arbeitstag verbringt. Das Ergebnis: "Auf seinem Arbeitsnachweiszettel stand, dass er um 7 Uhr das Haus verlässt und um 19 Uhr wiederkommt. In Wirklichkeit fuhr er jedoch erst um 10.30 Uhr los und war ungefähr um 14 Uhr wieder zuhause." Somit sei der Mitarbeiter des Spesenbetrugs überführt worden.

Heute verfolgt Andreas Simon Fahrzeuge, früher hat er noch an ihnen geschraubt. Denn der 54-Jährige ist eigentlich gelernter Kfz-Mechaniker. "Es hat mir Spaß gemacht. Aber ich konnte mir nicht vorstellen, es mein ganzes Leben lang zu machen", sagt er. Langweilig wird es ihm in seinem jetzigen Beruf nie. Zwar gehöre eine gewisse Kaltschnäuzigkeit dazu, der Nervenkitzel sei aber nach wie vor vorhanden: "Jede Observation bringt neue Herausforderungen mit sich."

Quelle: NGZ
 
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