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Neuss
Mit 95 - Rumba ist ihm zu langsam

Neuss: Mit 95 - Rumba ist ihm zu langsam
Der 95-jährige Horst Heintz 95 tanzt im TSC Neuss auf dem Reuterhof. Vom Tanzen kann er nicht genug bekommen, er trainiert vier Mal pro Woche und verpasst kein Fest. FOTO: Georg Salzburg
Neuss. Senior Horst Heintz verlässt nur ungern das Parket. Deswegen hat er auch gleich zwei Tanzpartnerinnen. Von Dagmar Fischbach

Neuss Aus den Boxen dröhnt der ABBA-Hit "Thank you for the music". Gefühlvoll schiebt Horst Heintz seine Tanzpartnerin Anna Gierth übers Parkett. "Die Rumba ist mir eigentlich zu langsam. Ich mag lieber die schwungvollen Tänze und lege gern eine heiße Sohle aufs Parkett", sagt der 95-jährige Horst Heintz.

Seine Trainerin Monika Köntgens ist von ihrem Schützling begeistert. "Er ist einfach unermüdlich", sagt sie. Und das bekommt auch seine 35 Jahre jüngere Partnerin Anna Gierth zu spüren. "Nach anderthalb Stunden Training lässt bei mir langsam die Konzentration nach", gesteht sie.

Doch Horst Heintz könnte locker noch ein Stündchen dran hängen. "Deshalb hat er auch zwei Tanzpartnerinnen. Eine allein kann bei seinem Pensum nicht mithalten", erklärt die Trainerin.

Horst Heintz dagegen reicht das Trainingsprogramm noch längst nicht aus. "Sonntags bin ich immer beim Tanztee und nutze jedes Fest. Aber ich mache auch noch mindestens ein Mal pro Woche Gymnastik. Man muss ja schließlich beweglich bleiben." Die grauen Zellen trainiert er beim wöchentlichen Uno-Spiel. "Ich will doch nicht einrosten", sagt Heintz. Deshalb ist er auch gleich in zwei Neusser Tanzsportclubs Mitglied. "Ohne Tanzen bin ich nur ein halber Mensch. Es ist Leidenschaft und Lebensqualität", gesteht der Senior. Vier Mal pro Woche trainiert er bei den Tanzsportclubs TSC Neuss und der TSG Quirinus.

"Das hält mich jung. Es ist Training für Körper und Geist. Schließlich muss man nicht nur Kondition beweisen, sondern sich auch Schrittfolgen und Figuren merken", erklärt der älteste Vereinstänzer der Stadt.

Regelmäßig auf das Parkett tritt Horst Heintz erst, seitdem er Rentner ist. "Es hat mir zwar immer schon große Freude bereitet, aber fürs regelmäßige Training fehlte mir einfach die Zeit. Ich war Außendienstler in der Milchwirtschaft und oft nur am Wochenende zu Hause. Zum Tanzen kam ich nur auf Festen", erinnert er sich. Aber auch schon als Junge war Horst Heintz begeisterter Sportler: Fahrrad fahren, Schwimmen und vor allem die Leichtathletik hatten es ihm angetan.

"Aber durch eine Kriegsverletzung und später eine künstliche Hüfte fielen mir diese Sportarten zunehmend schwer." Tanzen lernte er zu seiner Abitursfeier. "Später als Soldat war ich mit den Kameraden immer auf der Tanzfläche, wenn wir Ausgang hatten. Es hat mir viel Spaß gemacht. Deshalb habe ich mich schließlich auf diesen Sport konzentriert. Tanzen geht immer. Bei jedem Wetter. In jedem Alter", sagt er. Inzwischen hat er auch schon 17 Mal das Tanzsportabzeichen gemacht.

Zum 95. Geburtstag ihres ältesten Schülers hatte Trainerin Monika Köntgens Anfang Juni mit den beiden Tanzsportclubs ein Riesenfest für den leidenschaftlichen Tänzer organisiert. "Es waren rund 80 Leute da und ich bin regelrecht über das Parkett geschwebt - es war wunderschön", erinnert sich Horst Heintz.

Nur eins gibt dem Senior zu denken: "Ich brauche neuerdings viel mehr Schlaf als früher. Ob das am Alter liegt?"

Quelle: NGZ
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